Dienstag, 30. August 2011
Irene
Ich sehe gerade "Punkt 6" von heute früh und da berichten sie darüber, dass Irene heute Nacht bei uns gewesen sei soll und alles ganz schlimm und so. Ich will euch mal aufklären. Irene war hauptsächlich am Sonntag bei uns. Gegen Nachmittag wurde es mit dem Sturm immer schlimmer und es hat vor allem super viel geregnet. Ich habe mir da einen ganzen Tag in meiner hübschen Wohnung gegönnt - aber das skypen mit Mama war dann auch ein schönes Highlight. :) Wir hier unten nahe dem Stadtzentrum haben auch gestern, also Montag, dann nicht viel gesehen. Ich war im Park joggen bei schönstem Sonnenschein und Sommertemperaturen. Da waren die Wege noch ganz matschig und es lagen dort ein paar Bäume um. Und eine Freundin, die ganz nah am Campus wohnt, hatte tatsächlich Stromausfall von Sonntagabend 20h bis Montagmorgen 5h. Jetzt ist aber ja alles wieder ok.
Unsere WE-Planung hat sich, wie ich es erwartet habe, auch schon dreimal geändert seit meinem letzten Beitrag. Wenn jetzt alles klappt, fahr ich am WE nach Québec und dann weiter in den Norden in Richtung Nichts zum Whale watching. Da wurde uns gestern übrigens gesagt, dass die Straße von Québec da hoch (Tadoussac, wer google maps bemühen möchte) gesperrt wäre. Die geht direkt an der Küste entlang und da hat Irene nicht viel von übriggelassen.

So viel nur dazu. Mich hat's nicht weggeweht und mal ganz ehrlich - sooo schlimm war's echt nicht.

Eine schöne Woche noch für euch
glg

die Franzi :)

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Sonntag, 28. August 2011
Von nächtlichen Spaziergängen, Reiseplänen und Tauben...
Es ist mal wieder Zeit für eine Meldung meinerseits.

Jetzt geht das so richtig los hier. Während dieser Kennenlern-Woche an der Uni hab ich viele neue Leute getroffen. Logisch. Die Hälfte der Austauschstudenten hier kommt aus Frankreich. Das find ich jetzt weniger spannend irgendwie. Aber wir verstehen uns alle super, haben auch schon viele Pläne geschmiedet und wenn wir gut sind im Organisieren, dann fahren wir schon nächstes WE nach Toronto und an die Niagarafälle und das WE danach dann nach Québec (die Stadt) und zum Wale-Gucken. Ich traue unserem Organisationstalent noch nicht so richtig. Schließlich sind wir immer unterschiedlich viele, wenn wir darüber sprechen und außerdem fangen diese Woche auch erst unsre Kurse an, sodass sich da ja noch einiges Neues, Unvorsehbares ergeben kann. Aber diese Sachen stehen auf dem Plan und man muss das ja auch alles recht zeitig machen, bevor es ungemütlich und kalt wird. Ich hab sogar jemanden gefunden, der ein Wochenende in einem Nationalpark machen will, so mit den riesigen knallbunten Wäldern und Kanu fahren auf einem See. Und Grizzlybären ärgern. Das wäre so super, wenn das alles klappen würde!
Am Donnerstag lief so eine organisierte Party für die Austauschstudenten in einem Club im Zentrum. Treffpunkt war an der Uni und es hieß, es gäbe Shuttle-Busse die ab 22h fahren würden und uns auch bis 3h zurückbringen. (3h scheint hier also tatsächlich normal zu sein als Ende einer Partynacht…) Wir haben uns erst bei einer Freundin getroffen – Julia aus Österreich – und wollten nun nicht gleich 22h Uhr dahingehen. Wer geht schon 22h auf nen Diskoabend??? Als wir so 23h am Bus waren, standen da 16 Leute und kein Bus. Bis Mitternacht haben wir gewartet. (Übrigens kam da dann ein Waschbären-Pärchen einfach mal gemütlich an uns vorbeispaziert und ist über den Campus abgehaun.) Der Bus fuhr nur bis 23h, aber das hätten wir ja wissen müssen!? Konnte ja keiner ahnen. Denn die waren so organisiert, dass der Shuttleservice echt von 22h-23h lief und zurück dann 2h30-3h. Super, aber woher sollen wir das riechen? Jedenfalls kam er dann noch mal und wir waren dann drin im Club und es war so lahm…Der DJ hatte vermutlich sein erstes Mal mit uns. Und wie das beim ersten Mal so ist, es war nicht der Brüller. Dann waren voll wenig Leute nur da und irgendwie war auch viel zu viel Licht da drin…also jedenfalls sind wir halb 2 raus und heim und weil es recht schwer war, einen Nachtbus zu finden, der für uns alle passte von der Richtung her, bin ich dann nach Hause gelaufen. Eine dreiviertel Stunde. Mitten durch das Hochhaus-Stadtzentrum und bis in mein Viertel rein. Ohne Mist, in Schmalkalden möchte ich nachts nicht alleine rumlaufen, aber hier ist das total ok, also da hat man echt nichts zu befürchten, so wies aussah. Halb 3 lag ich dann im Bett bei unsrer super Party. Ich glaub, das können wir noch besser.
Gestern wurden wir dann offiziell vom Rektor der Uni begrüßt. Da gab’s ein Glas Wein und andere Getränke und kleine Snacks für alle. War total nett gemacht irgendwie. Und heute waren wir dann zum Picknick im Park. Gerade, als wir los wollten und einen Spaziergang durch ein Stadtviertel in der Nähe machen wollten, meinte eine dumme Taube auf dem Baum direkt über mir, sie müsse mal ganz dringend. Sodass ich dann also nicht spazieren sondern duschen gegangen bin. Total der Horst dieses Vieh, das konnte auch das Eichhörnchen, das sich fast mit zu uns gesetzt hat nicht wieder gutmachen.

Einer der Kurse, die ich gewählt habe, fällt nun doch aus, sodass ich jetzt Schwierigkeiten habe, den zu ersetzen. Es ist kein Kurs, auf den ich persönlich Wert lege. Es geht um Statistik. Daher ist er voll wichtig, damit ich im zweiten Semester in Frk klarkomme, um meine Forschungsarbeit da auf die Reihe zu kriegen. Jetzt muss ich irgendwie sehen, wo ich so nen Kurs herkriege…Vor allem, weil ich von Statistik und so ja echt keinen Plan hab und mich irgendwie 3 Jahre lang immer wieder mit super Noten da durchgemogelt hab, ohne zu wissen, WAS ich da eigentlich grad tu…

Wäsche waschen war ich heute auch. Ist gar nicht mal weit von hier und tausendmal billiger als bei mir in Frk. Da zahl ich für ne Maschine 3,20Euro. Hier sinds $2. Allerdings läuft die Maschine ganze 26Minuten, also dreckig darf deine Wäsche da an sich nicht sein.
Ein Baguette kostet hier auch $2…in Frk zahl ich 39c! Ich weiß noch nicht so richtig, was ich hier eigentlich essen soll, was man auch bezahlen kann. Milchprodukte sind was für Reiche, für Baguette musste wohl auch promoviert haben und Obst verschenken sie auch nicht. In Sachen Fleisch kenn ich mich noch nicht so aus, denn ich bin ja eh nicht sooo der Fleischesser. Am besten, ich esse einfach nichts, da spar ich eh und schaden tut mir das ja auch nicht so.

Die Woche sind noch ein Paar Info-Veranstaltungen, ich muss das mit meiner Kurswahl regeln. Am Mittwoch hab ich endlich den Termin auf der Bank für mein Konto. Und am Donnerstag hab ich den ersten Kurs. Interkulturelle Psychologie. Klingt ganz spannend so.

Und für morgen geben sie Unwetterwarnungen raus. Irene ist ja grad in New York am Wüten und wir bekommen dann morgen wohl noch ein bisschen Sturm. Das Ding soll so groß sein wie Europa! Aber hier ist es halt dann nur noch ein Stürmchen. So mit 90km/h Wind und so. Das haben wir ja in Frk mit dem Mistral-Wind auch. Aber den Flughafen haben sie wohl trotzdem schon mal dicht gemacht.

Noch eine kleine Bemerkung für die Französisch-Könner unter euch: die Wassermelone heißt hier witzigerweise nicht pastèque sondern melon d’eau. Ist ja total logisch eigentlich, aber trotzdem witzig. Und man sagt hier nicht regarder la télé sondern écouter la télé. Also Fernsehen hören anstatt gucken.

Ok, dann mal bis zum nächsten Mal. Viele liebe Grüße nach Hause und viel Spaß noch auf dem Schmalkalder Stadtfest, wo ja auch Meersau Maharadshi auftritt, wie meine Mum mich informierte.

Kussi

Die Franzi

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Donnerstag, 25. August 2011
Schon eine Woche!
Hallo ihr Lieben!

Jetzt ist schon eine ganze Woche vergangen. Von Jetlag merk ich schon lang nichts mehr, ich kenne mein Viertel schon ganz gut, in der Metro muss ich auch nicht ständig auf den Plan gucken, welche Linie ich jetzt in welche Richtung nehmen muss. Kurz: Ich bin angekommen. Und ich bin so glücklich!

Ich weiß jetzt schon, dass ich hier nicht mehr weg will und dass 5 Monate viel zu kurz sind, um alles so zu erleben, wie ich es mir wünsche. Das Problem ist ja doch, dass ich hier ursprünglich zum Studieren hergekommen bin. Also offiziell.

Ich habe schon ein paar nette Leute kennengelernt. Also eigentlich nur nette Leute, denn ich glaube, die lassen einfach durch den Zoll keine Arschlöcher durch. Anders kann ich es mir nicht erklären. Ich mag dieses Land :) Dazu trägt auch bei - ich will es nicht beschreien - dass ich bisher noch nicht eine Spinne gesehen habe!!! Ein Traumland, nach dem ich immer gesucht habe. Ein Land ohne panikattackenauslösende achtbeinige Mistviecher. Juhu! :)

Was gibt es Neues? Ich habe eine hochintelligente Mama, die alles schon weiß, ohne überhaupt hiergewesen zu sein: der Sportkomplex ist tatsächlich 1977 anlässlich der Olympischen Spiele entstanden. (Das vermutete nämlich die Gute, dass das damit zusammenhängt.)
Man darf hier in einem Abstand von unter 9m vom Eingang eines Gebäudes nicht rauchen. Betrifft mich ja nicht, ist aber witzig, immer diese Linien zu sehen, wo das dransteht.
Alkohol wird nur in speziellen Läden verkauft. Und da nur bis 23h. Danach darf er nur noch in Bars verkauft werden und das auch nur bis 3h. Jetzt bin ich mal gespannt, wie die Partynächte dann ab 3h hier aussehen...?
Aus Sicherheitsgründen können allein "reisende" Frauen ab 21h den Busfahrer bitten, auch zwischen 2 planmäßigen Haltestellen anzuhalten, damit sie nicht zu weit alleine durch die Straßen laufen müssen. Wenngleich ich mir auch nur schwer vorstellen kann, dass es hier nachts besonders gefährlich sein soll...
Das Sportzentrum der Uni sowie die Bibliotheken haben täglich geöffnet, auch sonntags (wie auch viele Geschäfte). Vor den Prüfungen, also Ende November bis Dezember wollen sie die Bibliotheken 24h am Tag aufmachen. Ob ich da mal nachts um 3 zum Lernen komme?
Man darf in der Öffentlichkeit nicht trinken. Also Alkohol. Wenn man erwischt wird, zahlt man ordentlich. Und zwar pro Flasche. Wer also ein Sixpack Bier mit sich rumschleppt...
Auf den Nummernschildern steht "Québec - je me souviens" (Québec - ich erinnere mich) und ich denke, ich werds wohl auch nie vergessen...
Man bezahlt beim Telefonieren mit Handys - die hier übrigens cellulaires und nicht portables heißen, für die Französisch-Könner unter euch - auch die angenommenen Anrufe so, als hätte man selbst angerufen. Daher gibts es witzigerweise immer Flatrates, bei denen du angerufen werden kannst, so viel du willst. Das klingt für mich naive Deutsch-Französin schon komisch.
Auf den Stopp-Schildern steht hier nicht Stop sondern "arrêt". Sie übersetzen es also witzigerweise aus dem Englischen, obwohl ihre Sprache ja viel näher dran ist am amerikanischen Englisch als die der Franzosen. Genauso übersetzen sie das Wochenende mit "fin de semaine". Die Franzosen sagen einfach weekend. Wenn in Frankreich von fin de semaine geredet wird, meint man das Ende der Woche und damit so Donnerstag-Freitag. Hier ist fin de semaine Samstag und Sonntag.
Der richtige Winter, vor dem mich alle Welt gewarnt hat, kommt so Januar bis April. Vorher soll es wenig spektakulär sein. Also bin ich schon wieder zu Hause und vor allem wieder am Mittelmeer, wenn es spannend wird hier. Wie find ich das? Ich weiß noch nicht so richtig...

Morgen schlaf ich aus und da weiß ich schon, wie ich das finde! :D Ich bin so müde, dieses ewige Gelaufe überall hin...Hier kann man schon so seine Kilometer machen. Und vor allem Treppen haben die...Treppen über Treppen.

Und jetzt die Hammer Überleitung, auf die ich selbst wenig stolz bin...Treppe...stille Treppe...Super Nanny...Katia Saalfrank hat eine neue HP. Ja Mama, es ist, als seien meine Gebete erhört worden. Und der Schock kam gleich dazu: Da steht, dass sie heute Abend bei Markus Lanz war. Super, das seh ich, als ich halb 6 heim komme. Bei euch war es aber schon halb12 nachts. Wenn eure Telefone 25 verzweifelte Anrufe in Abwesenheit zeigen, dann war ich das. Ich wollte euch überreden, dass ihr das sowieso gerade aufnehmen wolltet. Hat nicht geklappt. Ich habe mich schon an oberster Stelle beschwert und hoffe jetzt auf die Mediathek, in der ich die Sendung hoffentlich anschauen kann. Ja, das ist wichtig! Aber diese Überleitung...

So, jetzt fällt mir nichts mehr ein. Bis zum nächsten Mal dann. BISOUS! :)

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Dienstag, 23. August 2011
Der erste Tag an der Uni
Hallo,

Ich kriech aufm Zahnfleisch, aber für euch bekomm ich sicher trotzdem noch 2 Seiten zusammen. :) Ich war heute den ersten Tag an der Uni. Und da ich soeben auf frz alles aufgeschrieben habe, was es zu berichten gibt, vergesse ich jetzt sicher die Hälfte…

Erstes Event des Tages: ich laufe ein bisschen verloren auf diesem riesigen Campus umher und werde von einer Studentin gefragt, wo denn das Büro der internationalen Studenten wäre. Das haben wir dann also zusammen gesucht. So nach ner Viertelstunde frag ich sie, wo sie eigentlich herkommt. Aus Österreich. Ja klar. Julia ist also meine erste Uni-Bekanntschaft hier. Da geh ich nach Canada, um mir als Erstes deutschsprachige Freunde zu suchen. Was noch genialer ist, ist dass sie dann später 2 Mädels getroffen hat, die sie von ihrer Uni in Graz kennt, von denen sie aber wohl nicht wusste, dass sie auch hier sein würden. Die Welt ist ein Dorf…

Was nicht wirklich neu ist, ist dass die Uni riesig ist. Also ich hab euch ja schon gesagt, dass es 2 Metro-Stationen gibt auf dem Gelände. Das ist falsch. Es gibt 3. Wir haben für einen Rundgang (wie eine Stadtführung) im olympiareifen Tempo eineinhalb Stunden gebraucht. Die Führung nur in der Hauptbibliothek hat eine Dreiviertelstunde gedauert. 7 Etagen. Und da hat jedes Fachgebiet noch eine Extra-Bibliothek in ihrem Gebäude. Wenn ich so bedenke, dass wir in Aix vielleicht 10 Regale haben für die Psychologie…
Was gibt es auf dem Campus noch? : Einen eigenen Kindergarten(!!!), ein American-Football und Fußball-Stadion mit 5000 Plätzen (so viele gehen ins schmalkalder Stadion nicht!), eine Eishockey- und Schlittschuh-Halle mit 2500 Plätzen, einen Golfplatz, drei Tennisanlagen innen, 3 Turnhallen, ein Olympiaschwimmbecken mit Sauna, Whirlpool etc dabei, eine riesige Trainingsanlage mit sämtlichen Geräten etc…Und fast alles davon ist für uns Studenten kostenlos. Hammer. Die Footballspiele sind wohl auch immer sehr schnell ausverkauft. Und es gibt diese berühmte Rivalität zwischen den Unis. Also unsre Mannschaft sind die „carabins“ und wir hassen dann aus Prinzip die McGill und Laval-Mannschaften und so…Und Cheerleader gibt’s auch.
Es gibt einen Uni-eigenen Souvenirshop mit T-Shirts und so. Ganz ehrlich – wer wäre stolz darauf, ein T-shirt mit der Aufschrift „Université de Provence Aix-Marseille“ zu tragen? Hier hat das Stil.

Die Leute hier sind so nett. Das ist unglaublich. Ich bin heute bei meiner Verantwortlichen da gewesen, die mit mir die Kurswahl bespricht und so. Wenn du hier wen nach dem Weg fragst, dann begleiten die dich am liebsten direkt bis zu dem Ort, wo du hin willst. Da ist dann ein ganzer Gang voller Büros, die alle auf sind, wo auch überall Leute anwesend sind und nicht nur mit ihrem Kaffee beschäftigt sind. Die gute Frau - mit der hatte ich ja keinen Termin oder so – nahm sich direkt Zeit für mich, hat mit mir verschiedenste Kurse besprochen und mir bei der Wahl geholfen. Dann hat sie mich zu derjenigen begleitet, die dann die Einschreibung letzten Endes macht. Und die wiederum bedankte sich am Ende dann bei mir dafür, dass ich da war. Also ganz ehrlich, ich denke, die Québécois (wie heißen die denn auf Deutsch?) haben die Worte Freundlichkeit, Höflichkeit und Herzlich Willkommen erfunden.

Aber wenn man sie reden hört mit ihrem Akzent, dann möchte man sie eigentlich zum Logopäden schicken. Sie sprechen schon ein bisschen wie Paul Panzer…Aber ich liebe diesen Akzent und die Melodie ihrer Sprache. Es ist toll.

Überhaupt ist es toll hier. Ich hab richtig Bock, die Vorlesungen zu beginnen – wobei es ja eher Unterricht ist als Vorlesung – und in der Bibliothek zu arbeiten. Das ist mir auch mein Leben lang noch nicht passiert. Aber dieser Campus ist so toll, da will man eigentlich gar nicht wieder weg. Allerdings bezahlen die Studenten von hier auch horrende Summen für ihre Einschreibung. Das muss ja für irgendwas gut sein. Gut, sie bezahlen halt jetzt für mich mit. Danke, sag ich mal.

Mir wird langsam klar, was ich für ein Glück hab, hier studieren zu dürfen und wie richtig es war, das zu wagen. Und gleichzeitig weiß ich jetzt schon, dass die Zeit zu schnell vergehen wird und dass ich am Ende nicht wieder weg will…Wenn ihr doch nur alle hier sein könntet!

Ich glaube, dass war’s erstmal für heute. Danke für’s Lesen und bis zum nächsten Mal.
Kussi

Die Franzi

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Montag, 22. August 2011
Es tanzt der Biber Butzemann... ;)
Hey,

schon wieder auf Deutsch…Ich schreib immer so viel, dass ich dann gar keine Lust mehr hab, alles auf Frz. noch mal zu schreiben. Aber ich denke auch, dass es in Dtl. mehr Interessenten gibt als in Frk. Na ja. Und lernen kann ich dabei auch noch etwas. Wie heute der nette Hinweis per Email in mein Postfach flatterte von Seiten einer einzelnen Dame, die das Lehrersein am letzten Ferientag kaum noch erwarten kann und es an mir – ihrer Tochter schon einmal ausprobieren musste, schreibt man also den Biber ohne e. Ich entschuldige mich für diesen faux pas. Ich glaub übrigens, da ist der Justin dran schuld…
Heut war vielleicht ein doofer Tag. Es hat geschüttet ohne Ende. Den ganzen Tag. Unglaublich, wenn man das Wetter von gestern noch im Kopf hat…Und noch doofer dazu, weil ich mir vorgenommen hatte, heute nur gechillt im Park rumzuliegen und zu lesen. Nix da. Und noch dazu ist Sonntag, sodass also auch das meiste zu hat an Läden oder so. Also hab ich beschlossen, drin zu bleiben und mein Zimmer mal ein bisschen zu „meinem“ werden zu lassen. Also zumindest hab ich diese komische bunte Klaviertastatur schon mal von meiner Wand entfernt und so. Dann hab ich versucht, meinen Papierkram mal zu ordnen, damit ich morgen auch alles dabei hab und damit ich vor allem auch weiß, was auf mich noch zukommt. Allein für diese Metro-Karte wird das schon schwierig…Hoffentlich krieg ich die bald. Die ist dann für 4 Monate z.B. Ansonsten muss ich nämlich ein Touristenticket kaufen und das gilt immer nur 3 Tage. Und ist sauteuer noch dazu!
Dementsprechend habt ihr verstanden, dass ich morgen an die Uni gehe. Da laufen sämtliche Infoveranstaltungen und Führungen usw. Ich freu mich einerseits total drauf und bin super aufgeregt. Endlich neue Leute kennenlernen und so. Andererseits hab ich auch echt Horror vor den ganzen Büro-Gängen, wenn sich da keiner zuständig fühlt, mir mal meine Bafög-Unterlagen zu unterschreiben und ich dann vom Einen zum Andern geschickt werde…Pfff. Das macht Laune. Aber davon weiß ich dann sicher morgen zu berichten.

In der Rubrik „sonstige Erkenntnisse des Tages“ gibt es heute: Erdnussbutter ist eine seltsame Sache. Schmeckt erst nach gar nichts, dann doch irgendwie gut und wenn man aber 2 Scheiben ungetoastetes Weißbrot (in Ermangelung eines Toasters, wer hat schon Toaster?!) damit gegessen hat, ist einem schon irgendwie schlecht…Ein guter Start in den Tag. Außerdem: Biber schreibt man ohne e und sie unterscheiden sich von den Nutria durch den flachen Schwanz – danke Mama.

Es schüttet grad schon wieder wie aus Eimern. Wer das letzte F1-Rennen in Montréal gesehen hat, weiß, was ich meine, wenn ich sage, hier schüttet’s. Sebastian Vettel kann sich wohl auch gut daran erinnern…
Mit den restlichen neuen Erkenntnissen meld ich mich dann morgen zurück. Ansonsten gibt es für euch heute im Westen nichts Neues.
Mit diesem gewitzt geschickten Wortspiel verabschiede ich mich für heute von euch, sage gute Nacht oder guten Morgen, wünsche den Thüringern einen schönen Start ins neue Schuljahr (ich weiß, dass ihr euch ohne Ende freut) und grüße euch alle ganz lieb,

die Franzi

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Sonntag, 21. August 2011
Von Cola, Nussmäuschen und modernem Glauben...
Hey,
da will ich mal wieder loslegen. Habt ihr gesehn, ich habs geschafft, da ein Bild einzufügen, die doofe Werbung ist weg und auch so ist alles viel übersichtlicher. Ich bin schon ein klein wenig stolz auf mich, denn an sich beschränken sich meine IT-Kenntnisse ja auf den "gefällt-mir"-Button bei facebook. Das Foto hab ich übrigens heut selbst geschossen. Das ist also Montréals downtown von der Jacques-Cartier-Brücke aus gesehen. Das ist die Brücke, die rüber zu den kleinen Inseln führt. Aber dazu später. Fangen wir mal bei gestern Abend an:

Eddie hatte einen Kumpel da - Jo - und dann kam noch der Nachbar, der mit dem Balkongeklettere - Andrego. Jo ist Franzose (mit Eltern aus Gouadeloupe und Kamerun, wenn ich mich nicht irre) und Andrego ist Brasilianer und kommt aus Sao Paolo (schreibt man das so...?). Da Andrego kein Französisch spricht, fand der Abend gestern auf Englisch statt. Mir brummt immernoch der Kopf von vor allem Eddies schlechtem Englisch. Verben konjugieren und richtige Aussprache ist wohl was für Mädchen, zumindest hatte er das nicht nötig. :) Aber gelabert und gelabert...und dem Andrego am erklären, wie man Roquefort-Käse macht...Ein Franzose, der sich komplett in seinem Delirium verliert. Aber gut, lustig wars. Ich und die drei Männer. Besondere Erkenntnisse von diesem Abend? : Coca Cola schmeckt hier anders als in Europa. Also sie schmeckt, finde ich, auch in Frk anders als in Dtl, aber hier schmeckt sie halt richtig anders. :) Viel süßer irgendwie...Ja, richtig, Cola geht noch süßer. :)
Andrego schläft ja nun bei uns, bis unten der Kammerjäger war. Nur, wenn der unten die Viecher vertreibt, wo gehn sie denn hin? Richtig, zu uns. Aber da dreh ich durch. Krabbelgetier geht gar nicht. Also ich nehm das hier gern alles in Kauf - kein wirkliches Badezimmer, Fußböden so schief, dass es schwer ist, vom Wohnzimmer ins Zimmer zu laufen, umgekehrt geht aber viel schneller, und Fenster, die herausfallen etc, alles - aber Krabbeltierchen, nein, da geh ich.

Heute früh sah ich dann plötzlich Andrego mit dem Besen und dann mit dem Wischdingens. Er meinte, es wäre so dreckig hier. Das konnte ich nur bestätigen...er hat ja recht, er muss da auf ner Matratze auf dem Boden schlafen. Da darf es drumrum schon netter aussehn. Ich hab gestern ja nur Küche und "Bad" gemacht.

Außerdem war ich heute früh joggen. Da gibts so nen kleinen Park ganz in der Nähe. Voll süß so mit Teich und so. Da bin ich eine von hunderten Joggern. Dazu treffen sich dort so Joga und QiGong-Gruppen und sowas. Wie im Film alles. Jedenfalls weiß ich jetzt schon mal, wo ich so meine Runden drehen werde. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht mal ein Nussmäuschen platttrete. (Eichhörnchen, für alle nicht "belauscht.de"-Leser) Diese Nussmäuschen sind hier nämlich nur am ersten Tag süß. Danach sind sie nervig weil überall. Im Park war sogar ein weißes! Das war süß, aber nur heute. Morgen nervts mich dann auch wieder. :)

Am Nachmittag war ich zu Fuß unterwegs in Richtung Inseln. Also Montréal selbst liegt ja auch auf ner Insel, aber im St Lorenz-Strom sind dann ja noch kleinere. Die Ste Hélène und die Notre-Dame. Über die beiden verläuft auch die Rennstrecke Gilles Villeneuve. Die F1 fährt nur auf der Notre Dame, denke ich. Zumindest wüsst ich das nicht anders. Ich war auf der St. Hélène, bin da ewig hingelaufen und hab dort dann ein bisschen gelesen in der Sonne, bevor ich zurückgelaufen bin. Fotos und ein Video gibts bei FB. Ich bin dann recht zeitig wieder los, weils so laut wurde. Ich glaub auch gelesen zu haben, dass da ein Autorennen dieses WE stattfindet. Das wirds wohl gewesen sein. Und Hubschrauber überall.

Besondere Erkenntnisse bei diesem Ausflug? : Da laufen Bieber rum. Ich hab noch nie einen Bieber gesehn, aber das war schon einer, glaub ich. Oder es war ne große, fette Riesenratte. Dann hätt ichs aber nicht mehr so cool gefunden. Und da ichs ja cool fand, wars n Bieber. Was ich noch gesehn hab, ist eine Kirche, die mit roter Leuchtreklame Werbung für ihre Gottesdienste macht. Eine ganz hässliche, kleine Kirche mit rotem Backstein und da dran dann die Leuchtschrift. Unter anderem schön blinkend stand da "ton âme" - deine Seele. So unmöglich wie das aussah mit der Leuchtreklame, hätte da auch "deine Mudda" stehn können! :D
Beim nächsten Mal, wenn ich da rüber fahre, versuch ich, mir die Rennstrecke anzusehen. Aber da kann man ja auch ein WE für sich verbringen da. Da ist n Freizeitpark mit Achterbahn und alles...Aber das nächste Mal fahr ich auch mit m Fahrrad hin. Die kann man sich ja hier überall leihen. Inliner wären auch cool, aber ich hab keine...

Ja, jetzt werde ich mal sehen, was der Abend noch bringt. Ich bin schon wieder müde. aber das ist heute eigentlich schon nicht mehr mit Jetlag zu entschludigen. Aber gut, ich war ja auch den ganzen Tag unterwegs. Übrigens hab ich total den Sonnenbrand! Sonnencreme war nämlich genau wie kurze Hose und Fliflops nicht im Koffer drin. Komisch.

Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
die Franzi :

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Samstag, 20. August 2011
Die erste Begegnung mit einer Einheimischen...
Hallo, da bin ich wieder. ich will mal versuchen, den ganzen Tag - zumindest bis jetzt - in Kurzform wiederzugeben. Nicht leicht, denn hier passieren alle 5 Minuten Dinge, bei denen ich erstmal kurz stutzig werde..
So z.B. heute früh als ich beim Zähneputzen in der Küche stand, Eddie schlief noch und plötzlich stand da der Nachbar von unten, derselbe wie gestern, hinter mir. Der ist einfach auf den Balkon hoch und rüber und dann zur Tür rein...Und dann erfahr ich, dass er auch die Nacht auf ner Matratze bei uns geschlafen hatte. Der erfreuliche Grund: er hat bei sich unten Ungeziefer, was ihm den ganz Arm zerstochen hat. Der Vermieter ist derzeit im Urlaub, will aber nen Kammerjäger bestellen. Boah, hoffentlich lässt der seine Käfer da unten, weil sonst zieh ich echt aus!
Dann war ich heut früh einkaufen...im sogenannten Supermarkt. Ich kam mir vor wie n Alien. Da gibts Sachen...also zumindest gibt es nicht viel von dem, was ich gewöhnlich kaufen würde. Ich glaube, Kanada hat keine Kühe, denn ich bezahl hier für nen Liter Milch zwischen 1$55 und 2$30. Und Joghurt und so ist auch voll teuer. Allgemein, ich fands überhaupt recht teuer. Und da die angegebenen Preise immer ohne Steuern sind, weißt du ja eh nie, wie viel es kostet...
Postkarten scheint es hier auch nicht so zu geben...Ich bin ja nun schon zu Fuß in der gesamten Stadt unterwegs gewesen und überall nur Touris, aber denkste denn, dass da ma wie bei uns überall so die Postkartenständer die Touristen belästigen? Nix. Also weitersuchen.
Dann hab ich meine ganzen neu erstandenen Putzmittelchen benutzt. Boah war das ekelhaft...Aber das "Bad" ist jetzt zumindest clean, alles schön desinfiziert. Und die Küche auch. Der Rest ist mir erstmal egal. Aber es ist schon schön, wenn man sich nicht ekeln muss, an der Mikrowelle nur vorbeizulaufen! :) Die Gitarre hat jetzt auch eine ganz neue Farbe irgendwie...
Dann bin ich schön zur Touristinfo gelaufen. Eine Stunde bis hin. Da war ich eigentlich schon platt. Es sind auch wieder 29°C und ich hab ja nach wie vor keine kurzen Hosen und Flipflops. Von dort bin ich dann zur Uni. Das hat mich dann richtig erledigt, denn das waren nochmal eineinhalb Stunden und vor allem schön bergauf. Denn dazu muss ich an dem Mont-Royal Park vorbei oder durch. Das ist so zu sagen der CentralParc von Montréal. :) Dann steh ich da endlich vor der Uni und dann ist das ein RIESEN-Campus. Der ist so groß, dass es da 2 Metro-Stationen gibt. Das war mir zu groß, da stand ich nur davor, bin ein Stück gelaufen - am Uni-eigenen Stadion vorbei und so und dann bin ich zur Metro, um mir den Luxus zu gönnen und nach Hause zu FAHREN.

Und da war sie dann: Die erste und sicher unvergessliche Begegnung mit einer Einheimischen. Einer Frau aus Montréal oder zumindest vom Québec. Eine, die wohl meint Französisch zu sprechen, die ein französischsprechender Mensch aber unmöglich verstehen kann. Und genau die musste mir natürlich einen Metroplan geben, mich beraten und mir ein Ticket verkaufen. Ein Spaß. Auch für sie, glaub ich. Sie hat alles 2mal gesagt, dann konnte ich mir halbwegs denken, was sie meint und hab mir aber auch gedacht "Ach, was solls, ich bin 5 Monate da, ich werds schon irgendwann selbst rauskriegen." Die Frau hat aber Routine mit Exemplaren wie mir, denn ich sollte ihr 3$ geben, legte 2 hin - die hab ich sofort als solche in meinem Portemonnaie erkannt - und den dritten drehte ich 2mal hin und her und suchte die Aufschrift "1 kanadischer Dollar" in roter Leuchtschrift. Die war da aber nicht. Die gute Frau meinte dann nur so "Ja, das ist ein Dollar" - vermutlich sah man mir meine Hilflosigkeit leicht an. Und dann hatte ich mein Ticket und stürzte mich das erste Mal in den kanadischen Untergrund. Und auch da gilt: riesig, alles riesig. Die Gänge und Hallen in der Metro sind nicht zu vergleichen mit denen in Berlin, Paris, Marseille oder wo ich sonst schon Metro gefahren bin. Riesig. Und dann muss ich 2mal umsteigen, noch ein Stück laufen und nach so 40Min. bin ich dann daheim. Das wird also mein Weg zur Uni und heim. Und wenn man 40Min. mit der Metro braucht, brauch ich mich ja nicht wundern, dass mir die Füße wehtun...
Noch ein Einfall: Wir haben keinen Fernseher hier. Zuerst dachte ich, macht nichts, bin ja nicht zum Fernsehen nach Canada gekommen. Jetzt find ichs aber schon schade, denn ich hätte schon gern gewusst, wie das so ist hier, was da so läuft etc. Auf meiner Zeitung gestern stand hinten Werbung für "Bauer sucht Frau" - also eigentlich "Die Liebe ist auf dem Feld"(L'amour est dans le pré) - drauf. Schade, jetzt verpass ich das. ;) Da fällt mir ein: Hat Canada eigentlich auch ne SuperNanny? Also sicher ja, aber da muss ich doch gleich ma nachforschen, ob die auch so hohl ist, wie die französische.
So, das wars wohl für heute mit meinen geistreichen Beiträgen zum Tagesgeschehen. Vielen Dank an die zahlreichen Kommentierer, die herausgefunden haben, wie man das macht...:)
Viele liebe Grüße an euch und bis bald :) Bisous

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Freitag, 19. August 2011
So, bei mir geht nun langsam der erste Tag zu Ende. Ich wünsche mir gerade, dass er etwas schneller zu Ende geht. Bin schon recht müde. Ist aber erst 19h. Eddie hat grad Besuch von einem Kumpel und die beiden sind am Fachsimpeln. Jetzt ist grad noch jemand dazugekommen...ein Nachbar, den hab ich gestern schon unten gesehen. Jemand, der anscheinend kein frz sondern Englisch spricht. Jetzt hab ich die Wohnung voll schlecht Englisch sprechender, trinkender Männer. Überhaupt, mit einem Mann zusammenzuwohnen, das wird wohl die spannendste Sache hier werden. Eine seltsame Spezies. Heut Abend hatten wir beide schon früh Hunger und haben um 6 schon gegessen. Er wollte was kochen. Klar, es war auch nur noch das da, was er zu verwenden wusste. Eine seltsame Technik, Kartoffeln zu kochen und zu braten, aber er war höchst überzeugt von sich und hat mir das erklärt wie ein Sternekoch. Na ja, geschmeckt hat's. Wenngleich ich sicher dasselbe Ergebnis mit weniger künstlerischem Gehabe auch hinbekommen hätte. Schonmal Kartoffeln und Zwiebeln in ne Pfanne gehaun? Nicht sooo schwer :)
Ich war also heut in der Stadt unterwegs. Es ist eine Hitze da draußen und irgendwie hab ich meinen Koffer nach den Angaben gepackt, die man überall zur Genüge findet: es ist kalt, es schneit, es stürmt. Es waren heut 29 Grad. Aber gut...Die Stadt ist jedenfalls toll. So grün. Das ist das Beste, glaub ich. :) Und überall kleine Kunstwerke. Ganz viele Schwulen-und Lesbenbars, -diskotheken etc. Unheimlich viele Kulturen gemischt, ich bin auch durch Chinatown gelaufen. Und Touris. Auch Deutsche. Vor den Souvenirshops. Furchtbar. Ich wurde allerdings wohl für eine Einheimische gehalten, denn ich wurde gleich 2mal nach dem Weg gefragt. Leider war ich wohl keine gute Hilfe.
Oh, ich hör grad, der Freund kann wohl Gitarre spielen...Also wirklich. Und der Nachbar ist gerade übern Balkon wieder verschwunden...
Wir haben Eichhörnchen hier. Das klingt jetzt erstmal nicht so außergewöhnlich. Aber erstens sind die voll riesig und zweitens kam das Vieh bis zu uns aufn Balkon. Wir habens schön gefüttert. Erklärtes Ziel für die nächsten Tage: anfassen!
Morgen werd ich dann mal die Uni suchen. Das hab ich heut nich gemacht, weil ich in der komplett andern Richtung unterwegs war und das ja auch weit ist. Und Metro is recht teuer. Ich hab ja Zeit erstmal, da laufe ich. :)
Sonstige Erkenntnisse des Tages: Hier ist alles größer. Beim Straße überqueren verschätzt man sich ganz leicht, weil die viel breiter sind. Fußgängerampeln zählen die Sekunden mit, die sie noch grün sind. Feuerwehr und Polizei haben den nervigen Ton aus US-Filmen. Es fahren sogar diese gelben Schulbusse rum, wahlweise mit der Aufschrift "écoliers" oder "school bus". Obwohl wir hier ja frz sein sollen...Aber es sind schon viele Amis da und es ist ja eh alles doppelt beschriftet und so. Ich habe einen Föhn gekauft und konnte mir die Haare waschen, was das Bad auch nicht größer gemacht hat. Duschbad und so Zeug gibts alles im Liter-Format. Alles größer...Preise stehen überall ohne Steuern dran. Wenn man zahlt, kommt dann nochma was dazu. Benzin gibts nur eine Sorte. $1,30. Eddie meint, mit Diesel würde das Auto im Winter hier gar nicht anspringen.
So viel zu meinen gesammelten Weisheiten des Tages. Morgen gibts dann sicher Neues. Und keine Sorge, ich werde sicher nicht 5 Monate lang 2 Beiträge täglich posten. Das ist nur jetzt am Anfang, wo ich noch recht müde bin und jetzt z.B. keine Lust hab, nochmal rauszugehen. Und wo eben alles neu ist. Ihr könntet ja alle herkommen, dann müsst ich euch nicht alles erzählen, sondern ihr könntet's euch selbst anschauen.
Und meldet ihr euch auch mal. :) Liebe Grüße nach Hause und an die Welt, weil ihr ja selbst nicht alle zu Hause seid :)

die Franzi

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Donnerstag, 18. August 2011
Der erste Eindruck...
Hallo meine Lieben,

ich bin da. Angekommen in Canadas zweitgrößter Stadt. Es ist Donnerstagmorgen um 7 bei mir – 13h bei euch. Gestern war ich zu müde und wusste gar nicht, wie ich die ersten Eindrücke überhaupt halbwegs geordnet zu Papier bringen soll. Im Moment habe ich auch noch kein Internet hier. Ich schreibe den Text also vor und poste den Beitrag dann, wenn ich mal online bin.
Wo fang ich an? Der Flug war an sich ok. Ich flieg ja tatsächlich nicht gerne, auch wenn ich es ja immer wieder muss. Aber gestern der Flug war schon ok. Lang halt, aber das wusste ich ja vorher  Ein bisschen anstrengend war, dass vor dem Flug das System für den Gepäcktransport im Frankfurter Flughafen zusammengestürzt ist, sodass wir geschlagene 2 Std. im Flieger saßen und warten mussten, dass wir unser Gepäck bekommen.
Als ich dann endlich angekommen bin – es sind übrigens 6000km – musste ich durch den Zoll usw. und die gute Frau war erstmal nicht ganz einverstanden mit meinen Unterlagen von der Uni – weil meine offizielle Bestätigung dafür, dass ich an dem Austauschprogramm teilnehmen darf eben nur ein Briefchen ist. Da hat sie mich also ins Immigrationsbüro da geschickt. Die Tante dort hat sich ein bisschen darüber lustig gemacht, dass ich seit 3 Jahren in Frankreich studiere und aber an einer deutschen Adresse gemeldet bin. Na und?! 
Dann hab ich mein ganzes Vermögen in Dollar gewechselt, die übrigens kaum in mein Portemonnaie reinpassen, weil sie so lang sind.
Und dann hab ich den Eddie angerufen. Zur Info: Eddie ist mein Mitbewohner hier. Edouard heißt er eigentlich. Er ist auch Student aus Frankreich und aber schon seit 2 Jahren hier. Der wollte mich vom Busbahnhof abholen und ich sollte ihm also vom Flughafen bescheid geben. Na ja, das hat also geklappt.
Zu Eddie. Er ist leider nicht mein Traumprinz. Also könnt ihr – ich denke da besonders an mein Tantchen und Cousinchen – eure Hoffnungen schon mal aufgeben. Und warum? Eddie ist ungefähr so groß wie ich, wenn überhaupt. Er ist Kettenraucher – zumindest hatte er die Kippe schon in der Hand, als er mich begrüßte und den Rest des Tages sah es dann nicht anders aus. Sind ja schon mal 2 gute Gründe. Und dann hat er den ganzen Nachmittag und Abend – ich war so gegen 15h da – ein Bier nach dem andern gekippt. Der hatte ne Fahne ohne Ende. Er meint, er hätte gearbeitet und einen langen Tag gehabt…Na ja. Jetzt habt ihr ja ein gutes Bild von ihm, oh je. Nein, also Eddie ist ganz nett, er hat sich gestern Nachmittag ja extra freigenommen für mich. Dann sind wir auch noch fix was einkaufen gegangen und eine Runde in der Stadt umhergelaufen. Also ich denke mal schon, dass wir hier 5 Monate miteinander auskommen können.
Eddie hat mir gestern auch sofort beim Betreten der Wohnung den Tag gerettet. Wie? Ich komme rein, die Treppe hoch und steh im „Wohnzimmer“ oder so was und da steht in der Ecke eine Gitarre!!! Ich dacht, ich krieg’s nicht. So genial. Da hab ich mir so Gedanken gemacht, wo ich hier ne Gitarre herbekomme und dann steht da eine!? Eddie ist allerdings genauso blutiger Anfänger wie ich. Und die Gitarre hat bei mir so was wie Mitleid ausgelöst, denn die ist total dreckig, verstaubt und irgendwie…emotional vernachlässigt!  Ich glaub, ich werd die mir heute gleich vorknüpfen, sie hübsch machen und mal ordentlich stimmen. Und dann ist die Welt wieder in Ordnung 
Die Wohnung. Schwierig. Also wie soll ich euch das erklären? Ich hab so n bisschen Angst, euch Fotos davon zu zeigen, nicht dass die Mama anfängt zu weinen…  Also es ist die schlimmste Absteige, die ich in meinem Leben je gesehen hab, geschweige denn bewohnen musste. Es ist alt, dreckig, schief, kaputt…Der Fußboden ist schräg und wellig. So schräg, dass unter der Tür in meinem Zimmer auf der einen Seite 3cm Luft sind. Die Fenster sind so, wie man sie aus amerikanischen Serien kennt, so zum schieben, wisst ihr? Und beim Schieben fallen sie mir andauernd entgegen. Also nicht runter (wie bei Alf, der sich die Finger einklemmt, haha), sondern entgegen, raus halt… Es gibt keine Vorhänge. Meine Lampe ist eine Glühbirne. Die Wände sind olivgrün, wie in unserm Haus vor der Renovierung. Von der Matratze spürt man hauptsächlich die Federn, die sich schön in den Rücken bohren. Bettzeug lag nicht da, Eddie wusste aber auch nicht, ob der vorherige Mitmieter das eigentlich hat mitnehmen dürfen…Ein Kopfkissen haben wir noch auftreiben können, aber mein Bettbezug blieb leer. Was im Moment kein Problem ist, denn gestern war’s sauheiß hier. Aber es soll ja Winter geben in Canada…
In der Küche gibt es so gut wie nichts. Wir werden viel improvisieren müssen…
Und das Schlimmste ist eigentlich das „Bad“. Das wäre für die dramatischen Szenen einer Tine Wittler – Sendung geeignet. Da ist ne Wanne. So ne flache, ganz komisch. Da gibt’s auch warmes Wasser. So viel zum Positiven. Dann ist da auch eine Toilette. Die steht da direkt dran. Sodass man Schwierigkeiten hat, aus der Dusche zu kriechen, ohne im Klo zu stehen. Die Tür des „Bads“ ist übrigens auch auf dem Klo sitzend fast nicht mehr zu schließen, weil sie so nah ist. Es ist also sau eng. Und das Beste: Es gibt kein Waschbecken. Also kein Waschbecken heißt auch keinen Spiegel, keinen Platz zum was abstellen. Nichts. Das passiert dann alles in der Küche. Ganz ehrlich, das Badezimmer ist für mich der wichtigste Raum in einer Wohnung. Und hier ist das die Katastrophe schlechthin. Ich weiß noch nicht so genau, wie ich damit umgehen kann. Aber ich werd’s sehen. Und es ist ja nur für 5 Monate…
Insgesamt ist die Wohnung also grausig. Aber sie liegt zentral – ein Stückchen ist es wohl aber bis zur Uni – und sie ist vor allem günstig. Ich hoffe, wir können es uns dann schön machen hier. Ein paar Poster und so und schon geht das  Und ich wusste gestern gleich: Diese Wohnung ist die größte Motivation, sich ganz Canada anzuschauen und nie hier zu sein.
Ich werde vielleicht mal nen Rundgang machen nachher und filmen und versuchen, das dann ins Netz zu stellen.
Für’s Internet brauch ich nämlich noch den Code, den wusste keiner. Und selbst wenn’s denn mal geht, ist es wohl total langsam, meint Eddie. Also skypen wird wohl schwierig…
So, jetzt werde ich noch nen Beitrag auf frz. schreiben, wo ich jetzt natürlich gar keine Lust mehr zu hab…Und dann geh ich heut raus und erkunde die Gegend und suche. Suche den nächsten Supermarkt, die nächste Wäscherei, die Uni usw. Und ich halte euch auf dem Laufenden.
Bisous und bis ganz bald.

Die Franzi

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Dienstag, 16. August 2011
Das erste Mal...
Hallo,

das erste Mal ist immer etwas Besonderes. Man wird es wohl nie vergessen. Man macht sich vorher Gedanken, wie es wohl sein wird. Wird alles klappen? Kann man sich womöglich blamieren? Die Spannung steigt, Nervosität kommt auf. Und dann kommt er, der Tag x, auf den man doch so lange gewartet hat...

Und dann geht alles ganz schnell. Dann ist es vorbei und da ist er: Der erste Eintrag in meinem Blog.

Es hat erstmal gar nicht wehgetan. Jetzt muss ich nur noch die Sache mit dem Layout und so auf den Schirm kriegen...Das kann dauern. Ich kenn mich ja A nicht aus und B hab ich ja auch nicht den ganzen Tag hier Zeit...

Denn da stehen Koffer, die gepackt werden wollen. Die Familie kommt heute noch einmal zu Besuch, um sich dann tränenreich von mir zu verabschieden - wie jedes Mal.

Und dann geht es los. Morgen früh. Gegen halb 5 werd ich wohl raus müssen. Und dann geht's diesmal nicht wie gewohnt nach Frankreich, in den Süden, in die Sonne, ans Meer. Nein, diesmal fliegt die Franzi über den Winter nach Canada. -30°C und Schnee ab November. Ich hatte sicher schon bessere Ideen.

Also dann, ich hoffe, ihr seid zufrieden mit dieser Lösung. Dann kann niemand mehr behaupten, er wüsste ja gar nicht, wie es mir so geht, wo ich eigentlich gerade bin, weil ich mich ja nie melden würde...Einfach regelmäßig reinschauen. Ich bemühe mich, euch auf dem Laufenden zu halten. Und noch was: Wenn hier Beiträge stehen, die komisch aussehen, die ihr nicht lesen könnt, dann sind die auf Französisch...Das erklärt einiges ;)

Bis zum nächsten Mal in diesem Theater!

Die Franzi

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