Montag, 10. Oktober 2011
Das Haus am See...
diefranzi, 19:15h
Hallo, meine Lieben,
ich bin zurück. Ich bin weder von Bären attackiert worden, noch bin ich gekentert. Die einzigen Schäden, die ich davongetragen hab, sind 2 fette Mückenstiche, aber damit komm ich wohl klar. :)
Es ging also am Samstagmorgen los. Um 5 bin ich aufgestanden – da muss man schon motiviert sein. Dann hat es eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis wir dann endlich unsere Autos hatten und losfahren konnten. Wir waren insgesamt ja 21 Leute und haben dort einen PKW und 2 so riesige Teile bekommen mit je 8Plätzen und mindestens noch mal so viel Kofferraum.
Dann sind wir losgefahren. Gute 2 Std. durch immer bunter werdende Wälder. Und dann immer mehr Seen links und rechts der Straße. Schon da hab ich regelmäßig Gänsehaut bekommen. Noch dazu haben wir einen Klassik-Radiosender gefunden, der so genial zu den Farben im Wald gepasst hat… :) Und gelernt haben wir auch noch was: Da lief Vivaldi, den wir sogar als solchen identifiziert haben. Und dann die Überlegung: ist das jetzt Frühling? Sommer? Herbst? Wir haben uns auf Herbst geeinigt, weil das so schön zur Umgebung passte. :) Dann die Spannung auf dem Maximum und der große Moment der Auflösung, als die gute Frau im Radio meinte: Das war der Frühling…Pfff, und ich hab vorher noch groß den Frühling ausgeschlossen, da war ich mir sicher. Das nur so am Rande, wir hatten jedenfalls Spaß. :)
Als wir im Nationalpark waren, gab es noch kleine Probleme, was die Zeltplätze anging. Die haben da super strikte Vorschriften, wie viele Leute da sein dürfen und so und zuerst hieß es, man darf nur zu dritt in einem Zelt sein und 4 Zelte haben – also 12 pro Platz. Aber 3mal 4Leute pro Zelt, das ging nicht. Wir haben ihnen dann erklärt, dass das dämlich ist, und dann haben sie uns auch so reingelassen. :)
Dann haben wir die Kanus geliehen. Je zu zweit in einem, ein Dreier-Kanu war auch dabei. Das größte Problem war (hinsichtlich des Umkipp-Risikos), dass wir anfangs die ganzen Sachen – Zelte, Matten, Rucksäcke, Essen etc. – mit im Kanu hatten, denn die Zeltplätze sind ausschließlich über den See erreichbar. Dann sind die mitten im Wald am Seeufer und es gibt einfach keinen Weg in dem Wald oder so. Es ist einfach Natur pur. Wahnsinn. Nach einer kurzen Picknick-Pause haben wir dann unsere Zeltplätze gesucht, gefunden und uns dort eingerichtet. Und danach sind wir ein bisschen paddeln gegangen. Auf meinen Fotos sitzt übrigens immer Mirjam (aus Dtl.) vor mir. Fotos, auf denen ich paddel, müsste sie haben. Mal sehen. Neben dem See und den Wäldern, die natürlich nach wie vor unbegreiflich schön waren, haben wir uns auch mit einer neuen Sportart amüsiert: dem Kanu-Frisbee. Es hatte jemand einen Frisbee mit und wir haben uns den auf dem See zugeworfen. Sehr witzige Sache. (Frisbees sind übrigens multifunktional einsetzbar: zum Spielen, zum Feuer anpusten, als Teller...)
Abends haben wir dann gegrillt, da die dort einen Grill und Feuerholz haben. Es gab außerdem an Luxus ein Plumpsklo im Wald. Und was auch wichtig war, war das große Metallgestell, an dem wir unser gesamtes Essen aufhängen und hochziehen mussten, was einiges an Intelligenz und Teamwork voraussetzt, damit die Bären nichts holen können. Die Bären haben uns schon auch Angst gemacht. Es sind zwar „nur“ Schwarzbären, die doch recht klein sind und eher „faul“, aber nachts im stockfinsteren Wald wird’s einem schon anders. Vor allem als wir alles zusammengepackt haben vor dem Schlafengehen und plötzlich ein Grummeln und Röcheln aus dem Wald direkt neben uns kam. Und man sieht ja nichts im Dunkeln! Da ging uns allen kurz mal ordentlich die Pumpe. Bis jemand meinte, 2 unserer Jungs seien schon schlafen gegangen und das wäre ein Schnarchen gewesen! Und tatsächlich, das Geräusch kam aus der Richtung des Zeltes und der böse Bär war in Wahrheit nur der schnarchende Tom. Haben wir gelacht! :)
In der Nacht war keine Wolke am sternenklaren Himmel. Wir standen im Mondschein am tiefschwarzen See und haben uns die Zähne geputzt und Lisa brachte es auf den Punkt: „Ich glaub, ich hab noch nie so idyllisch Zähne geputzt.“ Es war so unbeschreiblich schön dort.
Am nächsten Morgen gabs dann ordentlich Frühstück, wir haben die Zelte abgebaut und sind mit den Kanus zum Bootsverleih zurückgefahren. Dann sind wir von dort mit dem Auto an die andere Seite des Sees gefahren, haben dort wieder Kanus geholt und sind noch ein Stück weiter auf den nächsten See gefahren. Dazu mussten wir teilweise durch ganz flache Pfützchen fahren, aussteigen, das Kanu ziehen. An einer Stelle war uns ein Biberstaudamm im Weg. Am andern Ende angekommen sind wir dann ein Stück durch den Wald gelaufen und hoch zu einem Aussichtspunkt, der uns wirklich den Atem genommen hat, so großartig war das, was wir von dort sehen konnten. Ich hab insgesamt über 200 Fotos gemacht und es war nicht leicht, für fb welche auszuwählen. 97 sind es jetzt noch.
Dann sind wir zurückgepaddelt haben Kanus und Paddel und Schwimmwesten und so abgegeben, haben noch ein Picknick gemacht und sind nach Hause gefahren. Genau genommen bin ich nach Hause gefahren. Erst war mir da ein bisschen mulmig bei dem Gedanken. Also ich fahre ja eigentlich gerne Auto, aber ich hab ja seit 4einhalb Jahren meinen Corsa…Und jetzt diesen riesigen Ford mit 8 Personen drin. Automatik natürlich. Also wie gesagt, erst war mir ein bisschen komisch dabei, dann hat es aber echt Spaß gemacht und wir sind ja auch gut angekommen – abends um 9. Jetzt kann ich also definitiv 7 Kinder kriegen, weil auch das Problem des „wie krieg ich die im Auto transportiert?“ geklärt ist. :)
Und ich hab heute nicht mal Muskelkater vom Paddeln. Gestern Abend war ich sooo müde. Ich kam heim, hab meine Sachen ausgepackt und aufgeräumt, war duschen und bin gegen 23h wie tot ins Bett gefallen – den Kopf voller bunter Bilder, voller unglaublich schöner Erinnerungen und dem Gedanken, dass das alles viel zu schön ist, um wahr zu sein. DAS war Canada. DAS war das, was ich seit eh und je mit diesem Land verbunden habe. DAS war das, was ich hier unbedingt erleben wollte. Und jetzt hab ich es erlebt. Und wir hatten 2 Tage lang über 20° und Sonne satt. Wir hatten keinen Regen, keinen Nebel, keinen kalten Wind. Wir hatten den berühmten "indian summer", den "été indien". Ich weiß nicht, ob ich in den letzten 23Jahren schon mal so viel Glück hatte. Ich habe 2 Tage lang auf keine Uhr, kein Handy geschaut. Es war egal wie spät es war. Was wichtig war, war wann es dunkel und wieder hell wird. Es gab kein warmes Wasser, es gab kein Internet. Es gab keinen Stress. Es war uns so seltsam, als wir gestern Abend dann das Auto abgegeben haben und in die Metro eingestiegen sind. Das war so unecht auf einmal. Und es ist beeindruckend, wie schnell uns die Zivilisation und der Stress des Großstadt-Alltags wieder zurück hatte: Als wir die Treppe zur Metro runter gingen, kam gerade die Bahn in unsere Richtung und wir sind schnell gerannt, um sie noch zu bekommen. So, dass wir keine Zeit mehr hatten, uns von Lisa zu verabschieden, die als Einzige in die andere Richtung fuhr. Welcome back to Montréal.
Heute ist thanksgiving aber wir haben es nicht organisiert bekommen, irgendwo essen zu gehen heute. Also verschieb ich mein Thanksgiving-Erlebnis auf irgendwann später in meinem Leben und nutze den Tag heute mal für mein Studium.
Ich hoffe, ich habe euch einen kleinen Einblick geben können in das, was ich hier gerade erlebt habe, und ich hoffe, halbwegs die richtigen Worte gefunden zu haben, um zu beschreiben, was so unbeschreibbar schön und faszinierend ist. Die Fotos können vielleicht auch noch einen kleinen Teil dazu beitragen.
Ganz liebe Grüße an euch von eurer überglücklichen
Franzi
ich bin zurück. Ich bin weder von Bären attackiert worden, noch bin ich gekentert. Die einzigen Schäden, die ich davongetragen hab, sind 2 fette Mückenstiche, aber damit komm ich wohl klar. :)
Es ging also am Samstagmorgen los. Um 5 bin ich aufgestanden – da muss man schon motiviert sein. Dann hat es eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis wir dann endlich unsere Autos hatten und losfahren konnten. Wir waren insgesamt ja 21 Leute und haben dort einen PKW und 2 so riesige Teile bekommen mit je 8Plätzen und mindestens noch mal so viel Kofferraum.
Dann sind wir losgefahren. Gute 2 Std. durch immer bunter werdende Wälder. Und dann immer mehr Seen links und rechts der Straße. Schon da hab ich regelmäßig Gänsehaut bekommen. Noch dazu haben wir einen Klassik-Radiosender gefunden, der so genial zu den Farben im Wald gepasst hat… :) Und gelernt haben wir auch noch was: Da lief Vivaldi, den wir sogar als solchen identifiziert haben. Und dann die Überlegung: ist das jetzt Frühling? Sommer? Herbst? Wir haben uns auf Herbst geeinigt, weil das so schön zur Umgebung passte. :) Dann die Spannung auf dem Maximum und der große Moment der Auflösung, als die gute Frau im Radio meinte: Das war der Frühling…Pfff, und ich hab vorher noch groß den Frühling ausgeschlossen, da war ich mir sicher. Das nur so am Rande, wir hatten jedenfalls Spaß. :)
Als wir im Nationalpark waren, gab es noch kleine Probleme, was die Zeltplätze anging. Die haben da super strikte Vorschriften, wie viele Leute da sein dürfen und so und zuerst hieß es, man darf nur zu dritt in einem Zelt sein und 4 Zelte haben – also 12 pro Platz. Aber 3mal 4Leute pro Zelt, das ging nicht. Wir haben ihnen dann erklärt, dass das dämlich ist, und dann haben sie uns auch so reingelassen. :)
Dann haben wir die Kanus geliehen. Je zu zweit in einem, ein Dreier-Kanu war auch dabei. Das größte Problem war (hinsichtlich des Umkipp-Risikos), dass wir anfangs die ganzen Sachen – Zelte, Matten, Rucksäcke, Essen etc. – mit im Kanu hatten, denn die Zeltplätze sind ausschließlich über den See erreichbar. Dann sind die mitten im Wald am Seeufer und es gibt einfach keinen Weg in dem Wald oder so. Es ist einfach Natur pur. Wahnsinn. Nach einer kurzen Picknick-Pause haben wir dann unsere Zeltplätze gesucht, gefunden und uns dort eingerichtet. Und danach sind wir ein bisschen paddeln gegangen. Auf meinen Fotos sitzt übrigens immer Mirjam (aus Dtl.) vor mir. Fotos, auf denen ich paddel, müsste sie haben. Mal sehen. Neben dem See und den Wäldern, die natürlich nach wie vor unbegreiflich schön waren, haben wir uns auch mit einer neuen Sportart amüsiert: dem Kanu-Frisbee. Es hatte jemand einen Frisbee mit und wir haben uns den auf dem See zugeworfen. Sehr witzige Sache. (Frisbees sind übrigens multifunktional einsetzbar: zum Spielen, zum Feuer anpusten, als Teller...)
Abends haben wir dann gegrillt, da die dort einen Grill und Feuerholz haben. Es gab außerdem an Luxus ein Plumpsklo im Wald. Und was auch wichtig war, war das große Metallgestell, an dem wir unser gesamtes Essen aufhängen und hochziehen mussten, was einiges an Intelligenz und Teamwork voraussetzt, damit die Bären nichts holen können. Die Bären haben uns schon auch Angst gemacht. Es sind zwar „nur“ Schwarzbären, die doch recht klein sind und eher „faul“, aber nachts im stockfinsteren Wald wird’s einem schon anders. Vor allem als wir alles zusammengepackt haben vor dem Schlafengehen und plötzlich ein Grummeln und Röcheln aus dem Wald direkt neben uns kam. Und man sieht ja nichts im Dunkeln! Da ging uns allen kurz mal ordentlich die Pumpe. Bis jemand meinte, 2 unserer Jungs seien schon schlafen gegangen und das wäre ein Schnarchen gewesen! Und tatsächlich, das Geräusch kam aus der Richtung des Zeltes und der böse Bär war in Wahrheit nur der schnarchende Tom. Haben wir gelacht! :)
In der Nacht war keine Wolke am sternenklaren Himmel. Wir standen im Mondschein am tiefschwarzen See und haben uns die Zähne geputzt und Lisa brachte es auf den Punkt: „Ich glaub, ich hab noch nie so idyllisch Zähne geputzt.“ Es war so unbeschreiblich schön dort.
Am nächsten Morgen gabs dann ordentlich Frühstück, wir haben die Zelte abgebaut und sind mit den Kanus zum Bootsverleih zurückgefahren. Dann sind wir von dort mit dem Auto an die andere Seite des Sees gefahren, haben dort wieder Kanus geholt und sind noch ein Stück weiter auf den nächsten See gefahren. Dazu mussten wir teilweise durch ganz flache Pfützchen fahren, aussteigen, das Kanu ziehen. An einer Stelle war uns ein Biberstaudamm im Weg. Am andern Ende angekommen sind wir dann ein Stück durch den Wald gelaufen und hoch zu einem Aussichtspunkt, der uns wirklich den Atem genommen hat, so großartig war das, was wir von dort sehen konnten. Ich hab insgesamt über 200 Fotos gemacht und es war nicht leicht, für fb welche auszuwählen. 97 sind es jetzt noch.
Dann sind wir zurückgepaddelt haben Kanus und Paddel und Schwimmwesten und so abgegeben, haben noch ein Picknick gemacht und sind nach Hause gefahren. Genau genommen bin ich nach Hause gefahren. Erst war mir da ein bisschen mulmig bei dem Gedanken. Also ich fahre ja eigentlich gerne Auto, aber ich hab ja seit 4einhalb Jahren meinen Corsa…Und jetzt diesen riesigen Ford mit 8 Personen drin. Automatik natürlich. Also wie gesagt, erst war mir ein bisschen komisch dabei, dann hat es aber echt Spaß gemacht und wir sind ja auch gut angekommen – abends um 9. Jetzt kann ich also definitiv 7 Kinder kriegen, weil auch das Problem des „wie krieg ich die im Auto transportiert?“ geklärt ist. :)
Und ich hab heute nicht mal Muskelkater vom Paddeln. Gestern Abend war ich sooo müde. Ich kam heim, hab meine Sachen ausgepackt und aufgeräumt, war duschen und bin gegen 23h wie tot ins Bett gefallen – den Kopf voller bunter Bilder, voller unglaublich schöner Erinnerungen und dem Gedanken, dass das alles viel zu schön ist, um wahr zu sein. DAS war Canada. DAS war das, was ich seit eh und je mit diesem Land verbunden habe. DAS war das, was ich hier unbedingt erleben wollte. Und jetzt hab ich es erlebt. Und wir hatten 2 Tage lang über 20° und Sonne satt. Wir hatten keinen Regen, keinen Nebel, keinen kalten Wind. Wir hatten den berühmten "indian summer", den "été indien". Ich weiß nicht, ob ich in den letzten 23Jahren schon mal so viel Glück hatte. Ich habe 2 Tage lang auf keine Uhr, kein Handy geschaut. Es war egal wie spät es war. Was wichtig war, war wann es dunkel und wieder hell wird. Es gab kein warmes Wasser, es gab kein Internet. Es gab keinen Stress. Es war uns so seltsam, als wir gestern Abend dann das Auto abgegeben haben und in die Metro eingestiegen sind. Das war so unecht auf einmal. Und es ist beeindruckend, wie schnell uns die Zivilisation und der Stress des Großstadt-Alltags wieder zurück hatte: Als wir die Treppe zur Metro runter gingen, kam gerade die Bahn in unsere Richtung und wir sind schnell gerannt, um sie noch zu bekommen. So, dass wir keine Zeit mehr hatten, uns von Lisa zu verabschieden, die als Einzige in die andere Richtung fuhr. Welcome back to Montréal.
Heute ist thanksgiving aber wir haben es nicht organisiert bekommen, irgendwo essen zu gehen heute. Also verschieb ich mein Thanksgiving-Erlebnis auf irgendwann später in meinem Leben und nutze den Tag heute mal für mein Studium.
Ich hoffe, ich habe euch einen kleinen Einblick geben können in das, was ich hier gerade erlebt habe, und ich hoffe, halbwegs die richtigen Worte gefunden zu haben, um zu beschreiben, was so unbeschreibbar schön und faszinierend ist. Die Fotos können vielleicht auch noch einen kleinen Teil dazu beitragen.
Ganz liebe Grüße an euch von eurer überglücklichen
Franzi
... comment