Dienstag, 6. September 2011
Wälder, Wale, und die fehlende Regenjacke
Coucou!

Ich bin zurück. Mein tolles WE ist auch schon wieder zu Ende. Und ich auch. Ich bin jetzt eine gute Stunde wieder da, hab mein Zeug ausgepackt und weggeräumt, war duschen und jetzt sitz ich k.o. und hungrig auf meinem Bett und schreibe euch Romane. Hungrig werd ich wohl bleiben, denn halb 10 und sicher kurz vorm Schlafengehen esse ich ja wohl nichts mehr…

Also mein WE war der absolute Wahnsinn. Es tut mir Leid, wenn das jetzt was lang wird, aber es ist sooo viel passiert und ich hätte ja sooo viel zu erzählen…Gehen wir mal chronologisch der Reihe nach.

Freitag

Am Freitagnachmittag hab ich mich mit Julia am vereinbarten Ort getroffen, wo unsere Mitfahrgelegenheit uns abholte. Das hat auch alles super geklappt, wir waren 4 Mädels und die Fahrt war ganz nett. Dumm nur, dass wir eine Stunde länger allein in Montréal gebraucht haben, da wir im Stau standen. Wir sind insgesamt 4einhalb Std gefahren – zurück heute haben wir 2einhalb gebraucht…Aber es war nett.
Die andere Mitfahrerin kam aus Québec und musste dann im selben Bus fahren wie wir, um ins Zentrum zu kommen, sodass sie uns einfach mitgenommen hat und uns gesagt hat, wo wir rausmüssen. Es sind ja echt alle so unheimlich hilfsbereit hier! Die Jugendherberge war mitten im Stadtzentrum und auch echt super – total sauber, preiswert, die Leute nett, also alles perfekt. Wir sind dann aber gleich noch mal raus und sind durch die Stadt spaziert. Es war super warm und eine richtig tolle Stimmung. Die Stadt hat uns auf Anhieb bezaubert.

Samstag

Am Samstag sind wir morgens raus und haben in der Stadtinfo Lisa getroffen. Sie ist auch Österreicherin und auch Freitag nach Québec gefahren, schlief aber bei „Bekannten“ – mehr dazu gleich. Wir haben uns dann immer verabredet, wenn wir was gemacht haben, sodass wir also immer zu dritt waren.
Dann haben wir zu Fuß die ganze Stadt erkundet. Über Nacht hatte es heftig gewittert, deshalb war frühs alles nass und unheimlich schwül. Gegen Nachmittag war es dann aber wieder so heiß und sonnig und alles voller Touris, sodass wir komplett fertig und am Ende waren abends. Aber die Stadt ist so super. Sie ist ganz und gar nicht amerikanisch wie der Rest hier. Sehr europäisch, ganz niedlich, mit vielen Souvenir-Shops natürlich, aber auch einer Festung, Schlachtfeldern mitten im Zentrum, einer Zitadelle, 2 Weihnachtsläden (!!!) und und und…
Nebenbei haben wir alles Mögliche organisiert für Sonntag. Das heißt Auto mieten, Whale watching reservieren etc…
Die Leute, bei denen Lisa wohnte, wollten uns eigentlich am Nachmittag begleiten, haben sich aber dann anders entschieden und uns stattdessen zum Abendessen zu sich eingeladen. Sie wohnen in einem Haus so eine Viertelstunde mit dem Bus vom Zentrum entfernt. Lisa kannte die eigentlich vorher auch nicht. Eine Mitbewohnerin in dieser Studenten-WG war im Sommer in Spanien und hat dort auf einer Party kurz Lisas Bruder kennengelernt. Als der ihr erzählt hat, dass seine Schwester nach Canada gehen würde, war sie eingeladen. Und dann laden die gleich uns alle zum Essen ein!
Und die waren ja so herzlich und lieb. Ich weiß nicht, ob ich schon mal so nette Menschen kennengelernt habe. Wir waren da 5 Minuten und uns war, als kannten wir uns schon ewig! Es gab eine kanadische Spezialität - oder so. Paté chinois heißt das und ist etwas ganz simples, was es so ähnlich auch in Frk gibt. Im Prinzip Hackfleisch, Mais und Kartoffelbrei in der Reihenfolge in einer Auflaufform übereinander und dann überbacken. Ganz einfach aber voll lecker. Und dann hat sie zum Dessert auch noch einen Nektarinen-Crumble mit Cranberries und Schokostückchen selbstgemacht, von dem ich noch viele Nächte träumen werde. Übrigens übersetzt man hier Cranberries mit Canneberges – anders als in Frk – und auch Blaubeeren heißen nicht myrtilles sondern bleuets. Und zu dem ganzen Essen hatten wir einen Nostalgie-Radiosender drauf, wo wir u.a. mit Celine Dion beglückt wurden, sodass ich mich endgültig in Canada angekommen fühlte.
Am Abend war es draußen noch so schön, da meinte Antoine plötzlich, es wäre ja Holz im Garten, wir könnten uns ja raussetzen und Feuer machen. Da saßen wir dann – im Vorgarten mitten in der Stadt, unter einem Ahornbaum, mit Wein und Kaffee am Lagerfeuer. Das „Holz“ waren übrigens runtergewehte Äste von Irene vom letzten WE. Und dann hat er auch noch Marshmallows (schreibt man das so?) geholt!!! (die heißen in Canada übrigens auch so, während sie nach Frk wohl jemand mit Sprachfehler importiert hat, denn da heißen sie ja shamallow). Ich mag das zwar nicht, aber probieren muss man das ja trotzdem. Es war jedenfalls so ein super toller Abend und vor allem ja so ungeplant! Eigentlich wollten wir an dem Abend in eine Bar neben unserer Herberge, denn da war Live-Jazzmusik geplant. Das haben wir leider verpasst, aber unser Abend war echt auch genial. Julia und ich sind dann zurück ins Zentrum und haben dort eine kurze Nacht verbracht und dann…

Sonntag

…haben wir und morgens früh vor der Autovermietung getroffen und haben unser Auto abgeholt. Lisa ist gefahren. Wir sind als erstes zu einem Wasserfall gefahren ganz in der Nähe. Der soll wohl 30m höher sein als die Niagarafälle aber natürlich schmaler. Dort angekommen hat es erstmal unheimlich angefangen zu schiffen und das war auch das angesagte Wetter für den Tag. Es hat aber immer mal aufgehört, sodass wir immer wieder etwas trocknen konnten zwischendurch. Dieser Wasserfall (Les chutes de Montmorency) war auch echt ganz super hübsch und total beeindruckend. Ich hab mich sogar auf die Brücke darüber getraut. Das war echt ganz toll und einfach einen Ausflug wert.
Dann sind wir weitergefahren und zwar so richtig durch DAS Canada, was man sich so vorstellt: endlose Wälder, endlose Straßen, Berge und immer wieder Seen und der St.Lorenz – Strom sowieso immer neben uns. Denn an dem sind wir ja so ungefähr 250km entlang gen Norden in Richtung Tadoussac gefahren. Dort hatten wir reserviert für einen 3stündigen Ausflug mit dem Zodiac – also so einem Schlauchboot, um dann direkt bei den Walen zu sein. Wir haben das auch gleich gefunden und dann der Schock: die gute Frau sagt uns, dass wir unser Boot verpasst haben. Der Grund: die Tante in der Touristeninfo, wo wir gebucht hatten, hat uns wohl die Zeiten für das große Boot gesagt anstatt fürs Zodiac. Boah war ich sauer. Ich reagier ja gerne mal recht emotional und da musste ich mich schon sehr zusammenreißen…Also ich war ja so wütend! Ich hätt brüllen und heulen können auf einmal. Und diese Boote fahren ja auch nur ein-zweimal am Tag. Die einzige Möglichkeit war also, auf das große Boot zu gehen, was Platz für 500 Leute hat und nicht so nah an die Wale ran darf. Dafür gabs etwas Geld zurück. Es waren auch keine 500 Leute da – bei dem Wetter und außerdem ist ja auch nicht mehr Hochsaison. Zum Thema „bei dem Wetter“: Es war Wind, es war Regen, es war kalt. Und wisst ihr was? Ich war da mit 2 leichten Jäckchen, ner Jeans und Sneakers. Nicht, weil ich mich verkalkuliert hätte, nein! Weil ich nämlich gar keine Regensachen BESITZE!!! Denkt denn einer, ich hätte in Südfrankreich schon einmal eine Regenjacke gebraucht??? Ein grober Fehler, hier ohne das passende Outfit anzureisen, aber so Zeug ist doch auch sauteuer und ich brauchs ja danach nie wieder…Und übrigens hats meinen Schirm gleich beim ersten Regen zerfetzt. Super Qualität. Ich mach mal ein bisschen Werbung: Kauft euch nie einen Schirm für 2euro im Teddy! Taugt nix.
Jedenfall hab ich gefroren ohne Ende, war bis auf die Knochen durch und hatte auch zwischendurch die Nase voll, weil wir nämlich keine Wale sonder nur Robben gesehen haben. Auch gut, aber so ab der 10. ist es dann auch weniger spannend irgendwie.
Aber wir wurden dann doch noch belohnt. Da waren einige Finnwale und ein Buckelwal, wenn ich mich recht erinnere. Leider ist der immer nur kurz zu sehen gewesen und wollte uns nicht seine Schwanzflosse zeigen…So von wegen Köpfchen ins Wasser, Schwänzchen in die Höh…aber da ging es ja auch um Enten. :) Fotos hab ich glaub ich auch ganz viele von grauem Wasser und keines von einem Wal. Aber ich habs immer mal versucht zu filmen, mal sehen, ob man davon was verwenden kann und ob man da was sieht. Ich habs mir noch nicht angesehn.
Es war schon beeindruckend. Wir waren halt nur halb so nah dran wie die Zodiacs. Aber gesehen haben wir es trotzdem. Und allein schon die Küste und der St.Lorenz-Strom, der wirklich so breit ist dort, dass man glaubt, man sei auf dem Meer. Also in Sachen Natur und Landschaft konnten wir uns wirklich nicht beschweren.
Nebenbei sei bemerkt, dass das Ganze aus Wal-Sicht schon kritisch ist. Dem Buckelwal sind wir nämlich ein ganzes Stück direkt gefolgt und außer unserem großen Boot waren da noch 2 Zodiacs und ein Schwung Kajaks...Aber gut.
Danach waren wir noch Pizzaessen dort im Ort in einem kleinen Lokal, was typischer und klischeehafter nicht hätte sein können: eine Holzhütte mit coolem Kellner und drinnen einem Blues-Trio, was für Live-Musik beim Essen gesorgt hat. Eine Tiefkühlpizza und einen Tee später ging es uns dann schon wieder besser und wir haben uns auf die fast 250km Heimweg begeben.
Unterwegs wollten wir dann an den verschiedensten Orten halten, weil wir die hinwärts so schön fanden. Nun war es aber so neblig und dann hat es auch noch ganz furchtbar angefangen zu schütten. So schlimm, dass Lisa echt Probleme hatte, die Straße noch zu sehen. Aber wir sind dann ja gut heimgekommen. Kurz vorher konnten wir noch kurz was einkaufen – Sonntagabend um 9. Logisch, hier hat nämlich ganz viel einfach rund um die Uhr jeden Tag geöffnet.
Unser Auto konnten wir dann auch noch abgeben am selben Abend – einfach im Hotel, in dem die Autovermietung ist. So unkompliziert das Ganze, wirklich! Vor allem sind wir um die 500km gefahren und das Tanken am Ende hat uns $40 gekostet, das ist fast nichts!
Dann waren wir aber auch gut müde und haben heute Nacht so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr.

Montag

Heute früh haben wir so bis halb 9 geschlafen, das war auch mal ganz schön. Dann haben wir festgestellt, dass in unserem 6er Zimmer die Nacht noch 2 andere Deutsche waren, die auch unabhängig voneinander dort gelandet sind. Gute Quote.
Nach dem Frühstück sind wir noch mal in die Stadt. Es war miesestes Wetter und wir haben dann beschlossen, dass ein guter Tag fürs Museum ist. Da ist ein „Musée de la civilisation“, was überall empfohlen wird – und zurecht. Wir haben nur die untere von 2 Etagen überhaupt geschafft aber die waren toll. Eine Ausstellung lief da zur Geschichte Roms, eine zu der Québecs natürlich, und was ich eigentlich am Interessantesten fand, war die über Religionen. Und zwar über alle möglichen Religionen, die ich noch nie gehört habe und von denen ich auch die Namen schon wieder vergessen habe. Das war aber ganz toll gemacht und die hatten heute auch so ganz viele Animationen, Spieleecken usw. für Kinder und Familien, weil heute Feiertag war (Labor Day, Tag der Arbeit) und da machen die immer so familienfreundliche Geschichten hier. Was auch ganz super war, war das Konzert eines Akkordeonspielers mitten in der Eingangshalle. Der war richtig, richtig gut und jetzt ist es auch beschlossene Sache: ich brauche wieder ein Akkordeon! Es wird Zeit, dass ich mich wieder damit befasse. Die Sache mit der Gitarre geht ja voran, aber das mit dem Akkordeon ist schon so lange her und es ist einfach Zeit. Das wird also mein nächstes Projekt, wenn ich wieder zurück bin.
Na gut, danach haben wir noch eine Kleinigkeit gegessen, haben unsere Sachen geschnappt und sind mit dem Bus in Richtung vereinbartem Ort für die Mitfahrgelegenheit gefahren. Das hat dann auch alles wieder super funktioniert und jetzt bin ich wieder zu Hause – mit dem Kopf voller ganz wunderbarer Bilder und Erinnerungen und Staunen. Es ist so unglaublich toll hier. Schade, dass ich 3 Tage in der Woche auch Uni habe und das auch ein kleines bisschen Ernst nehmen sollte. Ich würde am Liebsten Morgen gleich weiterreisen. Ich will ja noch so viel sehen…

Aber morgen ist auch an sich zwar ein langer und vollgepackter Tag – wie das eben so ist, wenn man 3 Tage weg war, da muss man Einiges aufholen – aber andererseits freu ich mich auch total auf meinen Kurs morgen, denn da fängt der über die Kindesmisshandlung an und in den setz ich ja ganz große Hoffnungen! Da bin ich also mal gespannt.

Jetzt seid ihr in etwa auf dem neuesten Stand, wenngleich auch klar ist, dass ich die Hälfte vergessen habe. Ich kümmer mich gleich mal um Fotos fürs FB aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich nicht irgendwann die Motivation verliere…Dann wird’s erst morgen. Und die Fotos sind eh nicht so schön, wie das, was ich selbst gesehen habe. Wenn ihr doch nur dabei gewesen wärt…

Liebe Grüße nach Hause und tausend Dank an alle die, denen ich diesen großartigen Wahnsinn hier zu verdanken habe! Ihr seid die Allerbesten! Einen dicken Knutscher für euch und bis zum nächsten Mal!

bisous

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Schön das es dir gefallen hat. ich wäre auch gern dort gewesen um die wale und die robben zu sehen. aber naja. wie ich höre hast du dich ja schon gut dort eingelebt. das freut uns.
meiner familie gehts gut. es ist nichts aufregendes passiert. wünschen dir weiterhin viel spaß!!!
Deine jasmin (kussi)

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hallöchen, schön, von dir zu hören - oder von euch. na ja, ihr fliegt doch auch bald schon wieder weg! das wird bestimmt auch ganz toll! :)
ich war heute genau eine stunde und genau zur super nanny-zeit schwimmen. konnte nur schwer diesem "ich kanns nich gucken"-stress entfliehen :) aber du hast ja nen ganz tollen papa und ich nen ganz tollen onkel. grüß den von mir und sag ihm noch mal danke!
und dein nächstes kussi will ich nicht mehr in klammern haben bitte :)

BISOUS

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