Montag, 5. Dezember 2011
Kalorienbomben, Jazz und Wassersport
Hallöchen,

da bin ich wieder. Was gibt’s neues? Was ist diese Woche passiert? Los geht’s! :)

Wir sind fleißig dabei, unsere To-Do-Liste abzuarbeiten. Montag war noch ganz unspektakulär, da hab ich mich nur vor der Arbeit gedrückt. Am Dienstag hatte ich dann einen schweren Tag. Erstmal hatte ich meinen Kurs Kindesmisshandlung zum letzten Mal. Und ich hab ihn damit eröffnet, dass ich den Jungs und Mädels sagen musste, dass sie alles, was ich eine Woche zuvor noch über die Super Nanny gesagt habe, vergessen können. Denn es hat sich ausgesupernannyt. (schönes Wort – warum unterstreicht mir Word das rot?) Ich glaube, es ist mir noch nie ein Satz so schwer gefallen wie „Es gibt keine Super Nanny mehr.“ Aber dann wars gesagt und na ja, was soll ich denn machen? Ist halt so. Zum Thema Katia gibt’s aber gleich noch mehr. Zurück zu dem Kurs. Es war nun das letzte Mal, dass wir uns da so zusammengefunden haben und uns war allen nicht zum Gehen zumute. Die Prof bedankte sich bei uns und war schon auch recht gerührt dabei. Und wir haben uns irgendwie eeewig Zeit gelassen beim Gehen. Dann standen wir vor der Tür und haben dort ewig weitergequatscht. Irgendwie wollte keiner, dass das zu Ende ist. Wir haben die letzten Wochen so viel diskutiert gemeinsam und haben uns gegenseitig unglaublich weiter gebracht, glaube ich. Eine Studentin aus Belgien meinte dann auch, als wir tatsächlich gegangen sind, zu mir: „Mensch so einen „coup de nostalgie“ nach nem Kurs – das ist auch neu.“ Und es stimmt. Aber ich bin unglaublich glücklich, dass ich diesen Kurs habe machen können, denn in Frk haben wir ja so was wie individuelle Kurswahl nicht. Für so sinnvolle Sachen ist da kein Platz.
Am Dienstagabend waren wir dann noch eine Poutine essen – diese ganz spezielle Spezialität aus Pommes, Käse und Soße. Wir haben ein anderes Restaurant gewählt als beim letzten Mal. Das war auch gut so. :) Und es war tatsächlich lecker – diese Poutine mit Erbsen und Hähnchen. (Ich kann ja auch prinzipiell immer und überall und zu allem Erbsen essen, also auch zur Poutine.)
Danach sind wir noch mal in „unsere“ Jazz-Bar gegangen, die wir am Anfang des Semesters schon mal besucht hatten. Es gab natürlich wieder Live-Musik. Es lebe der Erfinder des Saxophons!

Am Mittwoch war ich mit Marie und Lise in der „Altstadt“ unterwegs. Da gibt es so einen Platz mit ner Basilika, und der Platz war immer Baustelle. Jetzt ist das aber erledigt und deshalb sind wir da jetzt mal gucken gegangen, wie das so aussieht. Und die Kirche hatte ich auch noch nicht von innen gesehen. Grund? Man zahlt da Eintritt. Richtig, ich zahle 5$, um in ne Kirche zu gehen. Das nächste mal erscheine ich im Nonnenkostüm und verklicker denen, dass ich zum Beten komme! Lise meinte aber, ich müsste dann meinen Fotoapparat gut verstecken. Recht hat sie. Jedenfalls hab ich mir das also gegönnt und ich muss sagen, ich war beeindruckt. Wahrscheinlich hätte ich Stunden in dieser Kirche verbringen können – und hätte am Ende womöglich tatsächlich angefangen, zu beten! Die war so unglaublich toll. Irgendwie bis ins kleinste Detail verziert und mit nem wahnsinns Altar. Und das alles, ohne kitschig auf mich zu wirken. Also ich find ja Kirchen schnell mal kitschig, aber die fand ich einfach großartig.
Und was auch großartig ist, ist die sehr kurze Entfernung zwischen der Notre-Dame de Montréal und dem Cupcake-Café. Also haben wir uns noch nen cupcake gegönnt. Wieder ein Häkchen auf der Liste. :)

Und da sind wir auch schon bei DEM Highlight der Woche: Am Donnerstagabend gab es ein Konzert von Maria Schneider mit der Big Band der Musikfakultät unserer Uni. Und das war so wooow! Diese zierliche Frau steht da und dirigiert die ganze Truppe mit Händen und Fingerspitzen. Die LEBT ihre Musik. Man sah sie ja die ganze Zeit nur von hinten und trotzdem hat diese Frau eine unglaubliche Ausstrahlung und Bühnenpräsenz. Das Ganze war sicher eine unglaublich große Ehre für diese Studenten, mit ihr zusammenarbeiten zu dürfen. Und für uns, sie hören zu dürfen. Sie hat uns zwischendurch zu einigen Stücken erklärt, wie sie entstanden sind. So z.B. die Thomson Fields (könnt ihr gerne mal bei Youtube suchen). Und ich schwörs euch, ich hab die Thomson Fields GESEHEN, als die gespielt haben. Unglaublich. Und als es zu Ende war, wollte ich gar nicht gehen. Das war wirklich, wirklich toll.

Und am nächsten Morgen kam schon das nächste musikalische Highlight – womit wir wieder bei Katia wären. Es gibt endlich ein weiteres Lied von ihr, was ich seitdem mehr oder weniger in der Dauerschleife höre. Ein Lied, was unglaublich gute Laune verbreitet. Ganz süß und wirklich zum Strahlen. Auch das könnt ihr euch gerne mal anhören – www.katiasaalfrank.de ist euer Ansprechpartner. :) So, genug Werbung.

Am Freitagabend – oder Nachmittag – waren 4 von uns im Broadway Cheesecake einen – Achtung, Überraschung – Cheesecake essen. Also wenn die hier was können, dann ist es unglaublich tolle Kalorienbomben zaubern. Für mich gab es einen Himbeer-weiße Schokolade-Cheesecake. Miaaam!

Bei all den Leckereien könnt ihr euch denken, dass ich die Woche auch gefühlt 15 mal Joggen war – witzigerweise immer im Regen. Da schaff ich es, mich bei Sauwetter zum Laufen zu motivieren. Laufe im Park durch die aufgematschten Wege und denk mir noch, wenigstens regnets nicht. Zwei Atemzüge später war ich vom plötzlichen Regenschauer komplett durchnässt. Ein Spaß. Das war nicht das einzige Läufchen im Regen die Woche. Ich fang an, mich dran zu gewöhnen.

Am Samstag gab es schon wieder so ein kleines Highlight. Ich war beim Frisör. Das war bitter nötig und nicht leicht. Ich kenn ja hier keinen Frisör und vertrau ja aber auch nicht irgendwem Dahergelaufenem meine Haare an. Und dann lande ich in nem Laden, wo die Leute so 15 Sprachen konnten, aber keine davon richtig. Ich hab der Tante also auf frz erklärt, was ich will – wir sind ja hier im Québec, ne. Sie antwortet nur immer „Hm, I see, I see.“ Und labert mich dann auf Englisch mit russischem Akzent voll, wo ich schon dachte, oh je, hoffentlich hat die jetzt von meinem Französisch was verstanden. Dann besprachen sich die beiden Frisörinnen über meine Farbe, aber denkste denn, ich werd da mal mit einbezogen? Ich musste also drum kämpfen, dass ich auch meine Meinung äußern darf zu der gewählten Farbe. Nebenan stand noch ein Syrier, der immerzu wechselte zwischen Englisch, Französisch, Arabisch und Deutsch und der mit mir eben auch 3 Sprachen sprach, alle mit arabischem Akzent und ich musste immer ewig überlegen, in welcher Sprache wir jetzt eigentlich sind und was er jetzt von mir will. Kurz, ich war beim Frisör.

Und heute waren wir in einem kleinen netten Café zum Brunch. Da hatte ich einen Apfel-Crêpe mit Apfelstücken, Kompott und Käse drin. Gewagte Mischung aber sehr lecker. Dazu gabs ganz viel tolles Obst, Ahornsirup und eine große heiße Schokolade. Nachdem der Tag so gut angefangen hat, ging er dann weniger spektakulär in der Bibliothek und dann zu Hause zu Ende. Ich hab meine Reklamationen fertig geschrieben (Weil ich weder mit der Ablehnung des Bafög-Antrages noch mit der Wohnungssteuer in Frk einverstanden bin, geschweige denn damit, dass Orange sich mehrfach an meinem Konto bedient, ohne dass ich erfahre, was das ist, ohne Rechnung oder so. Warum auch.)

Am Ende wollte ich Tatort gucken, aber so einen doofen Tatort hab ich ja noch nie gesehen…Den hab ich irgendwann ausgemacht.
Meine Jungs sind glücklich über den von mir spendierten WG-Adventskalender. Da funkeln die Augen, wenn die Franzi sagt, so, lieber Romain, heute bist du dran. Heute kriegst du n Schoki. Aber die Augen blitzen bei ihrem Nintendo-Spiel genauso. Letztens hat Thomas einen Freund angerufen, ob der zum Spielen kommt…Fragt nicht nach dem Alter der Jungs. Und dann sitz ich da und beobachte. Ich glaube, ich habe noch nie so viel Gerülpse und Gefluche und so viele Schimpfwörter gehört, wie an diesem Abend. Sehr spannend, diese Spezies.

Also dann, ich glaube, das wars auch schon. Diese Woche hat hier ja wer Geburtstag. Wir gehen auch am Dienstagabend auf ne Nikolausparty und gefeiert wird dann am Freitag mit allen.

Habt ihr ne schöne Woche und meldet euch wieder. Bis zum nächsten Mal.

Die Franzi

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