Montag, 14. November 2011
Von einer, die auszog, eine saubere Wohnung zu finden...
Hallo,
na dann will ich mal wieder loslegen…Es war eine anstrengende Woche, vollgepackt mit Höhen und Tiefen.
Fangen wir mal am Anfang an. Ich bin umgezogen. Also so halb. Ich bin zumindest schon mal ausgezogen, ohne dass ich irgendwo wieder eingezogen wäre. Ich bin also im Moment obdachlos – aber es gibt ja die Julia. :)
Am Samstagmorgen stand Christina – meine fleißige Umzugs- oder Auszugshelferin – pünktlich um 9 bei mir vor der Tür. Ich war bereit, hatte alles gepackt. Eddie schlief. Wir haben alle Sachen mit einmal wegbekommen. Und dann bin ich bei Julia im Wohnzimmer eingezogen, wo ich seitdem mit meinen Koffern und Rucksäcken alles blockiere und wo ich jetzt schon eine gute Woche auf der Couch nächtige – im Schlafsack einer dritten Freundin. Also ihr seht, an Hilfe mangelt es mir hier nicht. Eddie hab ich im FB blockiert, der kann mich nicht mehr finden. Gemeinsame „Freunde“ sind von der Liste gelöscht und dem Vermieter habe ich eine Mail geschrieben mit dem Inhalt: „ Guten Tag, ich informiere Sie darüber, dass ich heute morgen ausgezogen bin, da ich mich nicht weiter in der Lage sehe, unter solchen Bedingungen und mit diesem Mitbewohner zu leben. Sie können also ab sofort einen Nachmieter suchen. Mit freundlichen Grüßen…“ Keine Antwort. Aber los bin ich sie. :)

Und es geht mir hier so viel besser. Alleine schon, dass ich durchatmen kann! Und dann ist alles sauber und die Wohnung ist so schön hell und gemütlich – ganz wichtig, jetzt wo es so früh dunkel wird.

Wir haben ja auch letzte Woche die Uhren umgestellt und das auch gut genutzt: Am Samstagabend waren wir bei Nathalie eingeladen, die eine ganz, ganz tolle Wohnung hat. Dort haben wir dann einen Käse- und Wein-Abend veranstaltet. Das hat sie sicher ein halbes Vermögen gekostet, so teuer wie das hier ist. Aber wir haben es SO sehr genossen! Und wir haben die Zeit gar nicht vorüberrauschen sehen. Plötzlich war es 3 Uhr, dann aber doch erst 2, also waren wir schon am Sonntagmorgen recht fit.

Das war auch gut so, denn ich hab tatsächlich den ganzen Sonntag in der Bibliothek verbracht. Da mir ja mein Prof in Frankreich die ganzen Artikel aufgebrummt hat für die Masterarbeit, hatte ich die ganze Woche gut zu tun. Ich hatte das Gefühl, nicht voranzukommen, und war immerzu nur mit dem Zeug beschäftigt. Ich bin auch erst gestern – also am Samstag damit fertig geworden. Die Woche war also wirklich sehr anstrengend. Ich hab es nur einmal geschafft, laufen zu gehen. Und Schwimmen hab ich zum ersten Mal überhaupt hier ausfallen lassen müssen. Ich komm grad nicht mehr hinterher hier, aber in 2 Wochen dürfte das Schlimmste überstanden sein und dann ist wieder mehr Zeit zum Durchatmen.

Am Dienstag gab es dann das große Highlight der Woche: das Konzert von Coeur de Pirate. Ich weiß, ich kennt die in Dtl. nicht. Also nicht so richtig. In manchen TV-Sendungen läuft die mal im Hintergrund, aber unerkannt. Schade eigentlich. Esther kennt sie, ich hab ihr nämlich bei ihrem letzten Besuch bei mir in Frk zum Kauf des Albums geraten. Ich gebs zu, ich bin Fan. Also ich mag ihre Musik halt echt total und ich finde, sie hat auf der Bühne eine noch tollere Stimme, als man es auf der CD hört. Das Konzert war übrigens auch die Premiere des neuen Albums. Und sie singt unter anderem über den Boulevard St. Laurent und das ist voll witzig, wenn man den kennt und weiß, wovon sie redet. Am besten war immer, wenn sie nur am Klavier saß und dazu gesungen hat. Wobei ihre Streicher und das Saxophon natürlich auch nicht schlecht waren. Ein ganz, ganz toller Abend und das neue Album hol ich mir sicher auch bald.

Am Freitagabend waren wir ein bisschen tanzen mit den Mädels. Das hat auch mal wieder gut getan, wenngleich wir uns noch etwas schwer tun mit der Feiermentalität der Kanadier. Die Mädels verwechseln alle ihre T-Shirts mit Kleidern und die Jungs verhalten sich wie Elche zur Brunft. Also ein bisschen anstrengend und als sei man nur unter 16-Jährigen. Aber wir hatten Spaß. Das Geilste passierte ja eigentlich gleich am Anfang. Ich hab Tränen gelacht! Es war zuerst niemand auf der Tanzfläche. Dann fing ein einziger Typ an am Rande der Tanzfläche so hin und her zu wippen. Also tanzen nannte er das. Das war so witzig. Und der hielt durch! Dann meinte ich, eigentlich müssten wir uns jetzt dahinter stellen und ihm alles nachmachen. Und da kamen auch schon andre auf dieselbe Idee und stellten sich hinter den und machten das gleiche wie der. Und wir mit dabei. Dann hat der das gemerkt und fing an, sich zu drehen. Und alle anderen hinterher. Voll der spontane Flashmob, das war so zum Grölen!!! Am Ende meinte irgendwer, der Mann sei geistig behindert und wir sollen uns nicht über ihn lustig machen. Aber ich glaube, er hatte genauso viel Spaß wie wir, denn es hat ihn ja voll gefreut, zu sehen, wie alle auf ihn hören. Und ein Gutes hatte es: Die Tanzfläche war damit offiziell eröffnet. Ein Spaß!

Am Samstagmorgen hab ich mit Julia einen riesigen Pancake-Brunch gemacht. Wir haben bestimmt ne Stunde dagesessen und alles mögliche Zeug gefuttert: eben Pancakes mit Ahornsirup und selbstgemachtem Cranberry-Kompott, Eier, Toast, Schinken, Käse, Gurke, Möhren, Mandarinen, Joghurt, Kaffee, Tee, O-Saft…alles. Und den Rest des Tages konnte ich dann gut in der Bibliothek arbeiten, ohne Hunger zu bekommen. :)

Und heute dann waren wir mit der Clé-des-Champs (die Organisation von der Uni, mit denen ich schon zum Campen war damals) zum Wandern in einem Nationalpark nicht weit von hier. Die Berge dort sind so 400m hoch, also keine „echten“ Berge. Aber wenn man da gut zügig hoch läuft – und das muss man, wenn man den 3 Österreicherinnen folgen möchte – ist das auch anstrengend. Von oben konnten wir bis nach Montréal gucken. Das Wetter hat auch super mitgespielt. Es kann sich im Moment nicht so recht entscheiden, wie es werden will. Es waren ja schon um die 0°. Dann hat es mal geregnet, aber nur einen Tag. Und heute Abend waren es 13°. Also super warm eigentlich. Wir haben jetzt aber so langsam Lust auf Winter. In der Stadt bauen sie schon überall die Eisbahnen auf. Ich überleg schon, wo ich Schlittschuhe herbekomme. Die Blätter sind von den meisten Bäumen jetzt runter. Wir hatten einen so super tollen Herbst, dann kann es jetzt Winter werden.

Nach dem Wandern haben wir in einer Crèperie gegessen – sehr gut gegessen. Und danach ging es noch zu einer Cidre-Verkostung. Da hab ich auch noch ein Fläschen erstanden, was mit 12$ nicht mal teurer war, als ein einfacher Wein im Supermarkt. Nur besser.

Ja, und sonst hab ich mich die Woche von Julia bekochen lassen. Die Julia ist wirklich der Hammer. Da stellt die sich hin und zaubert im null Komma nix ein Menü aus dem Ärmel – gestern hat sie fix mal eben ne Pizza gebacken – so aus dem Stehgreif – und Brot gleich noch dazu. Aus dem Kopf. Als wärs nichts. Also ich kann Nudeln. Das wars auch schon fast. Wahnsinn. Sie wird mir fehlen. :)

Und ansonsten haben wir unsere Abende gelegentlich mit Filmen verbracht. Erst „Into the Wild“, den ich seitdem nicht aus dem Kopf kriege. Einer der besten Filme, die ich bisher gesehen habe. Und dann noch 2 Komödien – eine französische und eine kanadische. Die kanadische hat unter Anderem in Montréal gespielt und im Winter und es war total spannend zu sehen, was hier auf uns zukommt. Also zum Beispiel die Eisbahn auf dem Lac aux Castors im Mont Royal Park oder auch die Weihnachtsdeko in der Innenstadt – die wir am Freitag bereits zum ersten Mal gesehen haben. Wie seltsam, das alles im Fernsehen zu sehen und wiederzuerkennen. Aber ich habe schon gesagt, dass das sehr schmerzhaft sein kann, wenn wir erstmal wieder weg sind von hier und DANN so was im Fernsehen sehen und wenn dann die ganzen Erinnerungen kommen und so. So wie als ich die Bilder von Cézanne in New York gesehen habe.

Ja, ich glaube, ansonsten ist gar nichts weiter passiert. Nur 3 Seiten Text…Am Dienstag werde ich dann umziehen und dann melde ich mich wieder bei euch.

Bis dahin könnt ihr euch ja melden.
Viele liebe Grüße an euch alle. Bisous

Die Franzi

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