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Samstag, 5. November 2011
Ein Umzug, tolle Freunde und Eishockey
Hallöchen!

Was für eine Woche! Jetzt gibt’s mal wirklich was Neues zu erzählen. Vorneweg: Es gibt ein Happy End. :)

Ich hab euch nie so richtig davon erzählt, weil es einfach hier keinen Platz dafür gab. Ich hab es häufig angedeutet und versucht, mich darüber lustig zu machen. So hab ich es auch im wahren Leben versucht. Aber auch der beste Schutzmechanismus hält nicht ewig. Dieser hielt 2 Monate.

Es geht um meinen Mitbewohner.

Fakt ist – so kann ich das heute ganz klar sagen – der Typ hat ein Alkoholproblem. Er trinkt jeden Tag. Er trinkt alleine, in seinem Zimmer. Nebenbei ist er Kettenraucher. Alles nichts Neues und eigentlich kann mir das ja egal sein. Er hat ja auch immer draußen geraucht. Aber jetzt wird es kalt. Wir hatten schon um die 0°C. Also raucht er drinnen. In seinem Zimmer wär das noch ok. Aber er lässt dann die Tür auf und sein Fenster öffnet er NIE. Oder er raucht halt im „Wohnzimmer“. Jedenfalls bleibt der Rauch ja da nicht. Sondern den hab ich dann auch bei mir. Und ich bin ja aus gutem Grund Nichtraucher. Ich finds einfach ekelhaft. Und wenn da so 20 Zigaretten in einem kleinen Raum hängen, in dem NIE gelüftet wird…Eine blaue Wolke… Aber ich denke mir, ich bin tolerant, so gut es geht. Ich spreche ihn nicht darauf an, schon gar nicht fordere ich ihn auf, aufzuhören oder rauszugehen. (Wobei das ja sicher mein gutes Recht wäre, denn es geht ja hier auch irgendwie um MEINE Gesundheit…)
Also, was tu ich? Ich habe ihn so 2-3 mal gefragt, ob er bitte die Tür seines Zimmers zumachen könnte. Da hieß es jedes Mal „Kein Problem“. Und ansonsten hab ich in der Küche die Tür zum Balkon aufgemacht – ich frier lieber, als dass ich das Zeug einatme. Ich betone, ich habe die Tür auf MEINER Seite der Wohnung aufgemacht, nicht auf seiner. Am Dienstag komme ich heim und rieche schon unten an der Haustür, wie es stinkt. Oben sitzt er dann mit seinem Kumpel – der so lange Haare hat wie ich, sie aber nur so oft wäscht wie mein Mitbewohner. Ich mache also die Balkontür auf – nicht das Fenster in dem Raum, in dem er sitzt. Er steht auf und macht die Tür zu. Ich geh aus meinem Zimmer und sage ihm, dass ich in dieser blauen Wolke unmöglich essen kann. Und da macht er sich voll über mich lustig! Vor seinem Kumpel! Das wär ihm ja egal, es wär ja kalt. Er hätte schon immer hier geraucht. Und lacht und feiert und schaut dabei nur seinen Kumpel an und mich traut er sich nicht anzuschauen. Ich wusste dann auch echt nicht, was ich sagen sollte, außer dass ich ja schon so immer die Tür hinter ihm zumachen muss, wenn er nicht da ist, weil es aus seinem Zimmer stinkt (nach dem Wäscheberg, hab ich von dem schon erzählt? Oder von der ungewaschenen Bettwäsche?). Ihm alles egal.
Nachdem ich dann die Hälfte des Abends heulend in meinem Zimmer mit den schiefen Wänden und den grünen und beigen Wänden verbracht habe, habe ich gedacht, ich muss was ändern. Sonst sitze ich nämlich den Rest des Semesters hier und zähle die Tage, bis es endlich vorbei ist. Und das ist nicht Sinn und Zweck der Sache. Dieses Semester hier war mein Traum und es wäre sooo gemein, wenn ich mir das von so einem Ekel versauen lassen müsste.
Am Mittwoch habe ich dann im Internet nach Wohnungen geschaut. Die erste Annonce, die ich gesehen hab, betraf eine Wohnung nur 3 Straßen von hier entfernt. Da hab ich sofort angerufen, konnte am selben Abend noch die Wohnung anschauen und habe mich super mit den Leuten verstanden. Es handelt sich da um eine RICHTIGE Wohnung mit einem RICHTIGEN Bad und weißen, geraden Wänden. Alles Weitere erzähle ich, wenn es soweit ist.
Am Donnerstag habe ich meinen Anteil der Miete dort abgegeben, um es fix zu machen. Am 15. November zieh ich dort ein. Und bis dahin bleibe ich bei Julia auf der Couch. Das war auch so großartig. Ich poste in unserer Gruppe den Hilferuf, ob mich jemand schnellstmöglich hier rausholen könnte und mich bis 15. aufnehmen würde und Julia hat sich sofort bereiterklärt, obwohl ihre Wohnung auch nicht riesig ist. Und als ich dann fragte, ob mir jemand beim Umzug mit den Sachen hilft, hat es auch keine 5 Minuten gedauert, bis ich nicht mehr alleine da stand. Ich weiß gar nicht, wo ich so tolle Freunde herhabe und womit ich das eigentlich verdiene. Die Mädels sind einfach die Besten!
Ja, und damit ist es jetzt endlich vorbei. Die beiden Jungs mit denen ich dann zusammenwohnen werde, machen einen ganz ordentlichen Eindruck. Während der hier einfach dreckig und ekelhaft ist. Kein Händewaschen nach der Toilette, gelegentlich ja nicht mal Spülen! Kein Lüften, kein nichts. Dafür sämtliche Körperbehaarung in der Dusche. So furchtbar. Da sitzt der manchmal 3 Tage am Stück in seinem Zimmer, säuft und raucht und das einzige Mal am Tag, wo er rausgeht, das ist, um sich neues Bier zu holen und vielleicht gegen 23h noch ne Pizza. Der Typ wird 25 nächste Woche und hat eigentlich gar kein Leben. So ein Loser, wirklich. Und nach der Aktion die Woche, wie er mich da ausgelacht hat, habe ich auch keinerlei Verständnis geschweige denn Mitleid mehr mit dem Affen.
Und er weiß nichts von meinem Umzug. :) Am Samstagmorgen schnapp ich einfach meine Sachen, in der Hoffnung, dass er noch schläft oder arbeitet am Samstag, und er wird schon irgendwann merken, dass ich nicht mehr komme. Spätestens wenn sein Klopapier all ist, wird er mich vermissen. Und da ich keinen Mietvertrag habe, kann ich dem Vermieter auch bequem dann ne Mail schicken und ihm mitteilen, dass er sich für seinen asozialen Mieter am besten einen anderen Asi sucht, den stört das alles dann nicht so. Aber ich kann jetzt nicht mehr. Ich hab am ersten Tag geschluckt hier. Ich hab versucht, es mit Humor zu nehmen, und mir gedacht, ich bin ja eh nicht so oft da und das wird schon. Aber jetzt ist gut. Dann zahl ich eben doch mehr Miete. Und es sind ja auch nur noch 2 Monate!

So, jetzt seid ihr darüber im Bilde. Ich werde übrigens auch ein paar Schimmel- und Ekelbilder ins FB stellen, sobald ich Eddie aus meinen Kontakten gelöscht habe. Dann könnt ihr euch selber ein Bild machen. Wenngleich dieses Multi-Sinnes-Erlebnis natürlich nur ich haben durfte: einen Mitbewohner, den man grölen hört, den man 20 m gegen den Wind riechen kann, den man ab und zu mal sieht... :)

Trotzdem – und jetzt könnt ihr gerne mal mit dem Kopf über mich schütteln – wird es eine Sache geben, die ich mit dieser Wohnung hier aufgeben muss und die mir unendlich fehlen wird: die Gitarre. Und wenn sie noch so dreckig ist und nicht so klingt wie meine, ich konnte doch immer wieder was spielen. Jetzt habe ich noch über 2 Monate so ganz ohne Gitarre vor mir. Ganz, ganz, ganz ohne. Das wird sicher manchmal nicht leicht. Mal sehen. Aber dann ist die Vorfreude auf mein Baby zu Hause umso größer. :)

Ansonsten hab ich jetzt echt viel zu tun an der Uni. Noch dazu bekomm ich am Donnerstag ne Mail von meinem französischen Prof, der meine Masterarbeit betreuen wird, in der er mir schreibt, wie kompliziert jetzt alles ist, weil ich weg bin. Die wollen am Ende echt, dass ich mich dafür entschuldige, dass ich mal links und rechts gucke, wie ich meinen Horizont erweitern kann. Dabei tut es mir doch gar nicht leid! Also das ist echt unverständlich. Und nebenbei meint er, ich solle mir mal die Artikel, die er mir vorschlägt, lesen (so 10 Stück) und jeweils ne „fiche de lecture“ schreiben – wie auch immer das auf Deutsch heißt. Und zwar bis zum 10. Eine Woche also. Sag mal, dass ich hier auch was zu tun hab, entgeht ihm wohl auch ein wenig, ne. Na ja, ich mach jetzt keinen Mucks. Der sitzt am längeren Hebel, ne, also funktionier ich mal lieber schön, wie man es verlangt, und denke mir meinen Teil. Und ich denke viel...

Und noch was Neues. Es ist unglaublich, aber ich hatte am Mittwoch das erste Mal SPASS an meinem Psychometriekurs – wir hatten die erste Diskussionsrunde, vorbereitet als Beispiel vom Prof, der das wirklich, wirklich gut gemacht hat. Also so als Prof, mein ich. Das war tatsächlich sinnvoll, ich hab voll viel mitgeredet und sicher auch was gelernt dabei. Hammer. Dass ich das mal sagen würde…Allerdings gebe ich auch zu, dass viel Arbeit dahintersteckt. Aber wenn ich die mache, geht’s vielleicht irgendwann wirklich. (und dann hau ich den Prof in Frk nämlich um mit meinen Psychometrie-Kenntnissen für die Masterarbeit! HA!)

Und heute Abend (also Freitag) war ich bei meinem ersten Eishockey-Spiel und ich bin total begeistert! Es waren die Mädels der Uni – also die Carabins – gegen Ottawa (Canadas Hauptstadt… :) ) Da man die Tickets nicht vorher sondern nur direkt vor dem Spiel kaufen konnte und das für 5$, und da heute gleichzeitig ein Volleyballturnier an der Uni sowie ein großes Eishockey-Spiel der „Canadiens“ von Montréal in Montréal stattfanden, war irgendwie klar, dass da außer uns niemand hingehen würde. Es waren aber noch so…50 andere da. :) Und egal ob Mädels oder Jungs und so, Eishockey ist so cool! Das ist viel toller als Fußball oder American Football. Da geht’s so richtig mit Dampf durch die Gegend, es ist voll schnell und echt nie langweilig. Wir haben auch 5:2 gewonnen – vielleicht hat das auch etwas zur guten Stimmung beigetragen. Aber das ist echt voll spannend. Das zweite Drittel haben wir eigentlich ausschließlich vor dem Tor der Gegner ausgetragen. Das war das Drittel, in dem KEIN Tor fiel…Aber spannend wars eben. Und es hat unendlich Lust auf Schlittschuhlaufen gemacht – was ich ja bekanntlich super kann… ;)

So, jetzt pack ich meine Sachen noch weiter fertig und morgen früh kommt dann Christina mich abholen. Hoffentlich klappt alles. Und dann bin ich hier raus. Endlich.

Ich meld mich dann sicher bald wieder und berichte darüber.

Alles Liebe für euch und bis zum nächsten Mal!

Bisous

Die Franzi

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