Sonntag, 30. Oktober 2011
Sprachliche Barrieren und Gastfreundschaft
Wenn ich sprachliche Barrieren schreibe, denkt ihr sicher, dass ich das Englische damit meine. Aber nein, Englisch hab ich ja doch gelernt in der Schule. Was ich anscheinend nicht gelernt habe, ist Deutsch. Zumindest das Deutsch, was man in Österreich spricht. Das war ziemlich witzig die Woche. Ich musste manchmal so lachen, weil Christina so ganz putzige Sachen sagt, die für uns so alt und hochtrabend klingen, die für sie aber ganz normal sind. Und Christina hat mich wiederum manchmal angeschaut wie n Auto und mir gesagt, dass es dieses oder jenes Wort nicht gibt – womit sie durchaus Recht haben könnte, denn wir sagen ja viele Sachen, die eigentlich falsch sind.

Da ich jetzt Österreichisch kann, will ich euch auch daran teilhaben lassen. :) Ich passe mich ja auch an und erwische mich gelegentlich dabei, wie ich Dinge sage, die vor 2 Monaten noch gar nicht zu meinem Wortschatz gehörten. So z.B.: Das geht sich (nicht) aus. Heißt: Das passt/klappt ja (oder eben nicht). Oder das Wort „irrsinnig“, was ich auch vorher sicher nie benutzt habe. Christina meinte aber auch, sie sagt z.B. öfter „gucken“, was bei ihr eigentlich „schauen“ sein müsste. Aber am meisten hab ich mich amüsiert, als sie von ihrem „Gewand“ sprach, was in den Koffer muss. Ihr Gewand? Ich dachte, zu welchem Mittelalterfest sind wir denn eingeladen, dass wir unser Gewand mitnehmen müssen? :) Als ich meinte, in dem Zusammenhang hätte ich einfach „Sachen“ gesagt (Ich pack meine Sachen…) oder allenfalls noch „Klamotten“ oder „Kleidung“ , war sie nicht so 100%ig damit einverstanden. Und sie meinte, das Wort „hochwärts“ gibt es nicht…Warum sagen wir das dann andauernd? Genau wie „frühs“. Das weiß ich ja, dass es eigentlich „morgens“ ist, aber warum gibt es denn so viele Wörter, die falsch sind und die man doch benutzt? Und was heißt eigentlich falsch? Kann ich nicht einfach davon ausgehen, dass Begriffe, die im Alltag geläufig sind, auch existieren und damit „richtig“ sind? Also hoch- und runterwärts gibt es nicht. Es gibt nur auf- und abwärts. Jetzt wisst ihr bescheid. Letztens hab ich ne Karte auf m Tisch liegen sehen und fragte, als wir gingen: „Die war aber nicht uns, oder?“ Hinweis, ihr ahnt es: „Die Karte ist uns.“ ist auch kein Deutsch… Da erinnere ich mich an die gute Frau Hampeis, Oberstufenleiterin und in meiner mündlichen Deutschprüfung, die am Ende zu mir sagte: „Ich habe selten eine Schülerin kennengelernt, die so gut mit der deutschen Sprache umgehen kann wie du.“ Das ist gute 4 Jahre her. Verlernt man seine Muttersprache tatsächlich? Können 4 Jahre Frankreich machen, dass ich kein Deutsch mehr kann? Verdammt, das wär doof. Wenn ich jetzt meine Kinder 2-sprachig aufwachsen sehen will und aber selber kein Deutsch kann, wer bringt es ihnen dann bei? Fragen über Fragen…Aber solang es noch Leute gibt, die wenn und wen und denn und den und einen und einem nicht unterscheiden können, glaub ich, bin ich noch auf dem richtigen Weg…

Nachdem ich schon vom Klischee der dicken Amis berichtet habe, will ich mal für ebendiese eine Lanze brechen. Die Amis sind nämlich nicht nur dick sondern auch super nett und hilfsbereit. Das hört man nämlich nicht bis Europa. Wir wurden überall freundlich empfangen – gut, die Hostelmitarbeiter waren ein bisschen verpennt, aber trotzdem nett – man hat uns immer Rede und Antwort gestanden – auch auf ganz dumme Touri-Fragen wie z.B.: „Und was kann man in dieser Independence Hall jetzt sehen?“ (Wahrscheinlich ein Unding, dass man so was nicht weiß. Nichts kann man darin sehen, es ist einfach nur der Ort, an dem die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben wurde. Meine Frage hat also eventuell diese heiligen Hallen leicht beleidigt…) Aber der Mitarbeiter war trotzdem sehr freundlich und hat mich nichts als Kulturbanause und als „die Jugend von heute“ vor die Tür gesetzt. :)
In unserem Hostel in New York konnten wir nicht gleich einchecken, da wir zu früh da waren, wollten aber wissen, ob wir unsere Koffer irgendwo einschließen lassen können. Antwort: „Yes we can.“ Keine Ahnung, ob es das absichtlich so gesagt hat, oder ob die Amis das vielleicht einfach andauernd sagen, aber Christina und ich und auch der Typ mussten gut drüber lachen.
Und im Planet Hollywood gab es erst ein Problem mit unserer Bestellung, dann mussten wir trotz Gutschein noch ein paar Dollar draufzahlen und letzten Endes kam der Kellner zu uns und meinte, er entschuldigt sich dafür, er hat das geregelt, wir müssten doch nichts bezahlen. Als wir ihn relativ überrascht und ungläubig anschauten und uns bedankten breitete er die Arme aus und rief mit einem breiten Lächeln. „Welcome to New York!“

So, damit habe ich, glaube ich, so langsam alles abgearbeitet, was ich zu erzählen habe. Ich bin immer noch nicht richtig wieder angekommen, wenngleich schon eine Hausarbeit geschrieben ist und ich auch gestern den ganzen Nachmittag in der Bibliothek verbracht habe, sodass mich mein eigentliches Leben doch schon zurück hat. Aber beim Einschlafen flitzen mir immer noch immer wieder Bilder von unserer tollen Woche im Kopf rum.

Die Arbeit ruft, ich mach mich wieder auf. Viele liebe Grüße an euch und meldet euch.

Glg
Die Franzi

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