Freitag, 28. Oktober 2011
Boston, New York und Philadelphia
Hallo alle miteinander,

da bin ich wieder. Leider und endlich. Leider weil die Woche so schrecklich schnell vergangen ist und weil es doch sooo schön war. Und endlich, weil wir einen ganz, ganz langen und irgendwie komplizierten Weg hinter uns bringen mussten, um wieder nach Hause zu kommen. Ich fang mal an, zu erzählen und hoffe, dass ich nichts vergesse…Aber es wird so oder so ein Schnelldurchlauf. Vielleicht schreib ich das erst mal so heute und melde mich dann die kommenden Tage noch mal gezielt zu einigen Erlebnissen.

Also fangen wir mal am Anfang an, das find ich logisch.

Donnerstag

Wir sind spät abends mit einem recht leeren Bus losgefahren, kamen dann schon sehr schnell an die Grenze, mussten alle raus und ich musste, obwohl ich das im Internet schon geregelt hatte – und bezahlt! – noch mal so ein Visum bekommen und zahlen. Aber egal, ich konnte dem ja jetzt schlecht sagen, nein, ich zahl das nicht, ich geh auch so rein in dein Land.
Danach hielt der Bus noch ein paar Mal an und nahm immer mehr Leute mit. Irgendwann mitten in der Nacht schüttelt mich wer an den Beinen – die ich zum Schlafen hochgelegt hatte – und wollte sich neben mich setzen. Ich war da schon relativ enttäuscht, dass es ausgerechnet mich trifft und dass mein Schlaf - so unbequem er auch war – für diese Nacht wohl beendet sein würde. Aber da wusste ich das Beste noch nicht. Die gute Frau hörte nicht auf, mich voll zu labern. Zuerst entschuldigte sie sich 10mal, dass sie mich wach gemacht hat. Und dann kamen nur noch intelligente Aussagen wie: Salz ist wirklich das beste Gewürz. Die Gute war ziemlich betrunken, roch nach einer Mischung aus alten Klamotten und eben Alkohol und schlief dann andauernd auf mir ein. Bis zum nächsten Stopp, denn da hab ich mich dann wieder mit Christina zusammengesetzt. Die Tante hinter uns laberte und rülpste aber am nächsten Morgen immer noch. Warum kommen eigentlich immer diese Schizophrenen und Alkoholiker und sonstig verzweifelte Seelen zu mir?

Freitag

Am Freitagmorgen sind wir dann sehr zeitig in Boston angekommen – bei schönstem Wetter. Die Jugendherberge haben wir zu Fuß dann auch gefunden – mussten halt einmal quer durch die Innenstadt latschen. Nach einem Donut-Frühstück bei Dunkin Donuts ging unsere Stadterkundung dann los. Jetzt fass ich das mal zusammen: Es gibt den Freedom-Trail, der einmal durch die ganze Stadt geht, und der 16 oder mehr Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet. Boston ist ja auch ein geschichtsträchtiger Ort – von der Boston Tea Party hat sicher jeder schon mal gehört. Jedenfalls waren wir da an sämtlichen Kirchen, Rathäusern, Monumenten und Mahnmalen, Märkten und Friedhöfen mit berühmten Leuten. Das war ziemlich anstrengend weil weit und alles zu Fuß.
Am Abend gab es noch ein Highlight: Da im Internet stand, unser Hostel verfüge über eine Küche, haben wir uns Nudeln mitgenommen, um nicht immer außerhalb teuer zu essen. Jetzt hatte dieses Hostel aber in Wirklichkeit keine Küche, sondern einen Raum mit Kühlschrank, nicht funktionierender Mikrowelle, Spüle, Wasserkocher und Toaster. Mit welchem dieser Geräte macht man jetzt Nudeln? Wir wollten halt echt nicht noch mal raus und so und haben daher die grandiose Idee gehabt, die Nudeln in einer Müslischale mit Wasserkocher-gekochtem Wasser zu übergießen und sie dann in die Mikrowelle zu stellen, um sie zu kochen. Da die Mikrowelle aber nicht ging, hatte sich das schnell erledigt. War aber lustig. Und dann sind wir doch essen gegangen. :)

Samstag

Am Samstag wollten wir uns noch das Tea-Party-Schiff anschauen, was auf unseren ganzen Karten stand und im Reiseführer. Bis uns dann am Hafen jemand sagte, das Schiff sei vor Jahren vom Blitz getroffen worden und abgebrannt. Das stand leider nicht in den Reiseführern. Wir waren auch nicht die einzigen unwissenden Touristen da, denn wir wurden dann am Ende selber gefragt, wo denn das Schiff sei. Mir war auch so, als hätte ich so was mal gehört, allerdings war ich mir sicher gewesen, dass es das Schiff war, was wir damals in Greenwich bei London angeschaut hatten…Na ja, egal, jedenfalls gibt es kein Tea-Ship mehr in Boston.
In Harvard waren wir auch. Also richtig muss es heißen „in Cambridge“, denn die Harvard University liegt witzigerweise in Cambridge direkt neben Boston, während ja Cambridge auch in Großbritannien bekannt ist…Aber Harvard ist sehr unspektakulär, es war vor allem kaum ein Student zu sehen. Es laufen NUR Touristen da rum. Aber wir waren in den heiligen Hallen mal auf Toilette und wer kann das schon von sich behaupten?
Am Abend waren wir noch auf dem Prudential-Center obendrauf und haben die tolle Aussicht genossen. Da waren wir noch beeindruckt von der Größe der Stadt…Da kannten wir auch New York noch nicht…
Außerdem waren wir noch in der Public Library, ich habe mir endlich meine Allstars gekauft und die andern Treter feierlich in den Müll verabschiedet, wir haben verzweifelt nach Enten-Statuen gesucht und waren am Stadion der Boston Red Sox.

Sonntag

Am Sonntagmorgen sind wir mit dem Bus ca. 4-5Std. nach New York gefahren und dort direkt ins Hostel. Außer verpeiltem Personal und ekelhaften Badezimmern haben wir dort erst mal nichts gesehen und sind erst mal an den Times Square gefahren. Dort ausgestiegen überkam uns ein gehöriger Schauer und ein Woooowwww. Katia würde sagen, da ist uns ein Gänseschauer über den Rücken gelaufen. Es ist einfach so gigantisch. Das kann ich jetzt auch nicht beschreiben. Wer da war, weiß, was ich meine. Und alle anderen sollten tatsächlich mal hin. Also haben wir uns den Times Square angeschaut. Dann waren wir noch auf dem Empire State Building – wieder das höchste Gebäude der Stadt. Vom 86. Stockwerk hatten wir bei Bombenwetter einen super tollen Sonnenuntergang über Manhattan. Unbeschreiblich. Und am Abend waren wir noch in Chinatown essen – witzigerweise mit Lisa und ihrem Freund, die auch diese Woche ein paar Tage in New York waren.

Montag

Am Montagvormittag waren wir im Financial District unterwegs. Das Denkmal am Ground Zero haben wir uns nicht aus der Nähe angeschaut, da wir keine Tickets hatten, aber man sieht ja schon die neuen Türme, die am Entstehen sind. Wir waren auf der Wallstreet, deren Besetzung relativ langweilig ausschaut, an der Börse und sind dann bis zur Brooklyn Bridge an den Fluss gelaufen. Von dort haben wir mit einem Boot eine Rundfahrt gemacht, haben uns die Skyline angeschaut und die Freiheitsstatue natürlich.
Am Abend haben wir im berühmten Planet Hollywood gegessen, weil Christina da ein Essen für 2 zum Geburtstag geschenkt bekommen hat und ich davon einfach mal schön mit profitiert habe. Vielen Dank an dieser Stelle für die Einladung!!! :) Und bei dem Essen haben wir so gelacht, es war ja so witzig. Also Planet Hollywood erstmal zur Erklärung ist eine Kette, die man wohl als typisch amerikanisch bezeichnen kann. Und es sind drinnen viele original Filmrequisiten ausgestellt. Jedenfalls hatten wir die geniale Idee, einfach das Teuerste zu bestellen, weil wenn schon denn schon, ne…Das teuerste war ein Burger mit dem Namen „Double Down“. Ein riesiges Teil mit 2mal Fleisch und Käse und Pilzen und, und, und. Und dazu noch Pommes ohne Ende. Wir haben das natürlich nicht geschafft, wobei wir gut gekämpft haben und schon dreimal so viel gegessen haben wie normal. Und dann kommt der Kellner und fragt, ob wir bereit wären für unser Eis. Erst dachte ich, der macht sich jetzt über uns lustig, weil wir so was Riesiges bestellt haben und es eh nicht schaffen. Bis sich herausstellte, dass er es ernst meinte. Es war wirklich ein Eis bei dem Gutschein dabei. Wir haben ihm dann aber gesagt, dass wir uns eins teilen würden und wir haben so gelacht, weil es gab Vanille, Schoko und Erdbeer. Und Christina sagt spontan Erdbeer und guckt mich an, ich war einverstanden. Und dann fragt sie mich: „Magst du überhaupt Erdbeereis? Ich nämlich nicht.“ Und wir mussten so lachen, weil sie einfach spontan Erdbeer gesagt hat mit dem Hintergedanken, dass man nach so viel Fast Food doch mal was Gesundes essen sollte! Da ist Erdbeereis sicher genau das Richtige. Ach, wie lustig das war. Und wir waren so vollgefuttert, als wir zu Hause waren…

Dienstag

Es war immer noch super schönes Wetter und wir haben den Vormittag im Central Park verbracht. Das war auch der Moment, in dem wir beschlossen haben, dass New York definitiv großartig ist. Ich hoffe, dass einige meiner Bilder das rüberbringen können.
Am Nachmittag waren wir dann im Metropolitan Museum of Art. Und dort hatte ich mein ganz persönliches Highlight. Nicht nur, dass dort die ganzen Monets hängen, die wir zu Hause im Wohnzimmer haben. :) Sondern es hängt dort auch Einiges von Cézanne. Es lief mir schon kalt den Rücken runter, als ich ein Bild vom Park im Vallée de l’Arc gesehen habe – dem Park, in dem ich in Aix immer joggen gehe. Aber so richtig musste ich mit den Tränen kämpfen als ich tatsächlich DAS Bild gesehen habe, von dem ich schon so oft erzählt bekommen habe. In dem Haus, in dem ich mein erstes Studienjahr lang mit der Gastfamilie gelebt habe – einige von euch kennen das ja – von dort aus hat Cézanne ja die Ste. Victoire gemalt. Auf dieser Terrasse habe ich ja nun nicht selten gesessen. Und jetzt stellt euch mal vor, wie es mir ging, als ich denselben Ausblick vor mir hatte – in einem Bilderrahmen im Metropolitan Museum of Art in New York City. Wahnsinn. Und da ist mir auch so klar geworden, wie sehr mir Aix eigentlich fehlt…
Am Abend waren wir dann noch am Times Square einen Cosmopolitan trinken. Das hat schon Stil.
Außerdem haben wir in New York noch die Public Library, das United Nations Gebäude, die St. Patricks Cathedral, das Rockefeller Center (wo jetzt schon die Eisbahn geöffnet ist), den Madison Square Garden und vieles, vieles mehr gesehen.
Und ich hab jetzt eine Handtasche aus New York, weil mir nach meinen Schuhen nun auch meine Tasche flöten gegangen ist und ich sie nicht mehr zumachen konnte…

Mittwoch

Am Mittwoch sind wir mit dem Bus nach Philadelphia gefahren. Wir waren schon zeitig am Bus, sodass uns der Busfahrer gefragt hat, ob wir nicht einfach einen Bus eher fahren wollen. Das haben wir dann gemacht und waren schon gegen 10h oder so in Philadelphia. Dort haben wir uns dann wieder mit Geschichte befasst. Wir waren in der Independence Hall, wo die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde. Wir haben uns die Glocke – die Liberty Bell – angeschaut, waren am Grab von Benjamin Franklin, waren in der ältesten Kirche der USA und an der berühmten LOVE-Skulptur am Kennedy Plaza.
Ein Philly-Cheese-Steak muss man auch mal gegessen haben, wenn man schon mal dort ist, und einen Cheese-cake haben wir uns auch gleich noch gegönnt.
Dann waren wir schon eine Stunde vor unserer Abreise „fertig“ und wollten sehen, ob wir wieder – wie am Morgen – mit einem früheren Bus fahren könnten. Aber der dämliche Busfahrer hat uns tatsächlich nicht mitgenommen und ist mit 7 Leuten in seinem Bus nach New York gefahren. So ein Affe, ich war so wütend auf den. Als die Tür hinter ihm zuging, konnte ich tatsächlich einen bösen Finger und ein „F*** you“ nicht vermeiden. Das ist mir wohl seit Jahren nicht passiert. Aber das war nun wirklich die Sinnlosigkeit schlechthin. Und wir waren einfach müde und fertig und hatten jetzt eine Stunde sinnloses Warten vor uns. Wo ich so gerne warte!

Donnerstag

Am Donnerstag hat es uns dann erwischt: ein Regentag. Aber wir hatten so was schon befürchtet und hatten daher einen Plan B. Plan A war, den Nordteil des Central Parks zu erkunden. Plan B war das American Museum of Natural History, was sich auch total gelohnt hat, wenngleich wir ziemlich unter Zeitdruck waren.
Gegen Mittag sind wir dann schon aus unserem Hostel verschwunden und haben zuerst die Metro – also Subway halt – und dann den Bus in Richtung Flughafen genommen. Wir haben großzügig geplant, denn unser Flieger sollte 15h40 gehen. Noch im Bus bekommt Christina einen Anruf von ihrem Vater, der uns mitteilte, dass unser Flug gestrichen sei, ob wir das wüssten. Natürlich wussten wir das nicht – am Vorabend beim Online-Check-in war ja noch alles in Ordnung – aber es hat jedenfalls nicht zur Verbesserung der Stimmung beigetragen, das jetzt zu wissen. Am Flughafen haben wir dann schnell herausgefunden, was jetzt eigentlich los war. Die Säcke haben halt ihren Flugplan geändert. Einfach so und es hielt auch niemand für nötig, uns das zu sagen. Und es wurde eben mehr oder weniger automatisch auf den Flieger um 17h40 umgebucht. Was also bedeutet, dass wir schon um 13h da waren, weil mit Metro und Bus alles reibungslos verlaufen war, und nun ewige Zeit rumsitzen mussten. Hab ich schon mal erwähnt, wie sehr ich es schätze, wenn mir jemand auf diese Art und Weise ein Stück Zeit meines Lebens klaut? Furchtbar. Aber ich konnte erstmal wenigstens ein bisschen Kram für die Uni machen, den ich mithatte. Zu allem Überfluss hatte dieser Flieger dann noch mal eine Stunde Verspätung, oder mehr. Insgesamt haben wir 6 Std. am Flughafen verbracht – nur gut, dass wir morgens durchs Museum gerannt sind. Dann fand ich den Flug auch recht anstrengend. Ich flieg ja nach wie vor nicht gerne. Ich bin ja kein Vogel. Aber ich bin eben auch jedes Mal bei kleineren Turbulenzen schon fest davon überzeugt, dass ich gleich sterben muss, was leicht stressig ist, denn ich häng ja an meinem Leben und es läuft doch grad so gut. Wie ärgerlich wäre das denn – eine Woche in den USA und Mamas ganzes Geld ausgeben und dann den Heimflug nicht überleben? Christina meinte, da waren keine Turbulenzen, aber ich glaube, sie hatte einen anderen Flieger. In meinem musste nämlich der Service andauernd abgebrochen werden, was dazu geführt hat, dass am Ende die Landung bevorstand, der Service Reihe 30 erreicht hatte und aber aufhören musste und die Franzi natürlich in Reihe 31 saß – durstig und hungrig. Sowas ärgerliches! Also diese Heimreise war wirklich kein Glücksgriff. Nur gut, dass dann wenigstens die Zollkontrolle nicht so schwierig war und unser Koffer gleich kam, der Bus stand auch schon bereit und nach nur 45 weiteren Minuten waren wir dann zu Hause. Ein Abenteuer!

Jetzt hab ich jedenfalls die Nase voll vom Reisen. Mir haben diese Woche so sehr die Füße wehgetan wie noch nie zuvor in meinem Leben. Und die arme Christina musste das alles aushalten. Ich darf jetzt auch nur nette Sachen über sie schreiben, sie liest das ja… :)

Wir haben soooo viel gesehen, so viel erlebt. Ich muss das alles erstmal sacken lassen. Über 600 Fotos hab ich. Ich hoffe, ich kann da gut aussortieren, damit ihr euch nicht jedes Haus von New York einzeln anschauen müsst. Aber das gibt’s dann alles später. Jetzt ist es 1h nachts, es ist Zeit, dass ich ins Bett komme. In mein Bett.

Bis zum nächsten Mal, ihr Lieben.

Die Franzi

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