Montag, 26. September 2011
Fragwürdige Bars, geschenkte Torten und Rosenkohl :)
Hallo,
diese Woche habe ich mir mal erlaubt, den französischen Beitrag zuerst zu posten. Ich habe bisher jedes Mal meine Franzosen aufs nächste Mal vertröstet und immer nur halb so viel geschrieben. Da hab ich mir gestern mal ein bisschen mehr Mühe gegeben. Nun zu euch.

Diese Woche haben wir einen Geburtstag und einen Abschied gefeiert. Lisa hatte Geburtstag am Montag und Clémence ist am Donnerstag nach Hause geflogen. Sie hatte ein Praktikum hier gemacht und das ist jetzt zu Ende. Ihr zu Ehren haben wir in einer Bar was getrunken, die sich in einem eher fragwürdigen Stadtviertel befindet, umgeben von diversen Sex-Shops und ganz speziellen Kinos. Die Bar an sich war relativ harmlos – mal abgesehen von den meterlangen Insekten und Viechern, die als „Dekoration“ dienten. Sie trägt auch einen recht speziellen und , ja doch, kreativen Namen, wie ich finde: „Les foufounes électriques“. Ich lass euch das mal selber googlen…:)Jedenfalls wars schön und wir waren auf einmal ganz viele Leute, weil jeder irgendwie noch wen mitgebracht hat und so und dann kamen wir wieder einmal aus tausend verschiedenen Ländern dort zusammen.

Vorher waren wir noch im botanischen Garten und beim chinesischen Laternen-Dingens. Wir hatten diese Woche gratis Eintritt in verschiedensten Museen und da war eben das dabei. Und das war auch echt super. Also Gartenkram ist ja jetzt nicht mein Spezialgebiet, aber ich fand vor allem den Teil „Nutzgarten“ interessant. Also Dank Mamas Gewächshaus weiß ich ja schon, wie so ne Paprika wächst. :) Haha, Aber habt ihr schon mal gesehen, wie Rosenkohl oder Quinoa wachsen? Nein? Ha, ich weiß es jetzt! Ätsch! Die chinesischen Laternen – im japanischen Garten, logisch – waren auch ganz schön. Ein bisschen kitschig aber ok.
Die Weisheit des Tages kam hier von Lise, die meinte: „Je mehr man sich annähert, umso näher ist man dran.“ Ja…
Wobei, Lisa war auch nicht schlecht. Clémence lobte sie und sagte: „Ne, Lisa, du verstehst schon voll gut (französisch)“ – Und Lisa: „Was?“

Außerdem habe ich die Woche jetzt die Bustickets für Toronto. Da fahr ich mit Bella am Samstag hin und wir kommen am Montag zurück. Aber erst gegen 1h nachts, also bei euch Dienstagmorgen um 7h. Deshalb kann ich auch nicht zum Geburtstag gratulieren!!! Ich vergess es aber nicht und denk sicher ganz feste an den Peter, wenn ich auf dem Boot an den Niagarafällen vorbeischippere und mal in die USA rüberschaue. Übrigens machen wir in Toronto couchsurfing.

Und für unsere Übernachtungen in Boston und NY mit Christina haben wir auch die Woche gebucht. Es kann also losgehen. :)

Der Oktober wird eh spannend: Toronto und Niagarafälle, die Woche drauf ist das Camping- und Kanu- Wochenende. Da hab ich mich jetzt an der Uni bei so ner Gruppe angemeldet, die organisieren ganz viele so Ausflüge in die Natur und so. Und das eben auch. Und da da immer viele mitmachen, ist es dann relativ preiswert. Und ich vermute mal, dass Anfang Oktober dann auch die Wälder schon so richtig geil bunt sind. Das geht ja jetzt schon los, manche Blätter sind schon richtig rot und orange. Total schön.
Ja, und dann geht’s ja in die USA. Und dann ist der Oktober schon fast wieder rum! Danach wird’s sicher etwas ruhiger. Obwohl wir für den November auch schon Pläne haben, denn am 8.11. gibt es ein Konzert von Coeur de Pirate, zu dem wir unbedingt müssen. :) Witzigerweise ist die im Herbst auf Europa-Tournee und gibt da tausend Konzerte und hier in ihrer Heimat nur 3. Aber egal, wir sind auf jeden Fall dabei. Und vor allem für 25$!

Ein scheinbar unlösbares Problem ist für mich der Dollar. Ich krieg es einfach nicht auf den Schirm. Jedesmal wühl ich in meinem Portemonnaie herum und muss jede Münze zehnmal drehen, bis ich weiß, was es ist. Also vor allem kann ich 5 und 25 cent nicht auseinanderhalten. Daher bezahl ich auch so voll gerne mit Karte. :)

Die Woche war ich wieder mal auf so nem großen Markt. Da gibt es unzählig viele verschiedene Stände mit allem möglichen Obst und Gemüse vor allem und überall stehen Probierteller. Großartig. :)

Heute war Marathon. Ich war frühs laufen und seh schon die Absperrungen und an jeder Straßenkreuzung Polizei und so, da waren die noch nicht mal gestartet. Dann bin ich noch mal unterwegs gewesen, um das Geburtstagsgeschenk für Lise, die morgen dran ist, zu kaufen. Und da liefen sie dann an mir vorbei. Unmengen von Menschen. Und dann so 20 Minuten später kam ich an derselben Stelle noch mal vorbei, da liefen immer noch welche! Natürlich dann die mit eher weniger dynamischem Laufstil, aber trotzdem. Das war nach ungefähr 8km. Und da lief vor allem eine unheimlich dicke Frau mit, die hat mich ja beeindruckt. Also wenn du die so auf der Straße getroffen hättest, hättest du wohl nur gedacht, ui , die sollte mal Sport machen. Aber sie hat ja dementsprechend auch schon 8km geschafft und so sah die echt nicht aus. Also den Marathon ist sie ganz sicher nicht zu Ende gelaufen aber trotzdem. Chapeau!

Am Nachmittag haben wir dann den letzten Gratis-Eintritt genutzt und waren im archäologischen Museum von Montréal. Das ging los mit einem Film, der war echt so großartig gemacht und hat dir in 10 Minuten die komplette Geschichte von Montreal von der Eiszeit bis heute gezeigt. Das war richtig toll gemacht. Danach bestand dieses Museum aber nur noch aus irgendwelchen Infotafeln mit viiieeel Text und kleinen Funden wie Pfauenknochen und Knöpfen…Irgendwer meinte dann, es wär langweilig und dann mussten wir so lachen, weil wir uns wie kleine Kinder vorkamen: Museum ist doof, sobald sich nichts mehr bewegt und es keinen Film mehr gibt. Dann war da noch ne Sonderausstellung zum Thema „Die Gallier und der Wein“. Das war auch ganz nett gemacht, aber jetzt nicht so spannend und neu – zumal ich ja nun diverse Wein-Touren schon hinter mir habe, nach 4 Jahren in Frankreich!

Und dann kamen wir aus dem Aufzug raus, wollten raus aus dem Museum und es steigt eine Frau in den Aufzug ein, mit einem Rest – einem großen Rest – Torte in der Hand. Lise guckt sie im Vorbeigehen mit soooo großen Augen an und die Frau meint: „Wollt ihr den mitnehmen? Ich hab den von nem Kindergeburtstag übrig.“ Ja, das konnten wir ja eigentlich nicht annehmen, aber irgendwie drückte sie mir den Teller in die Hand, meint „Doch, doch“ und verschwindet im Aufzug…Wir nun also mit dem Kuchen raus, haben in einem Café nach nem Messer gefragt, um das Ungetüm zu teilen, und haben uns dann am Hafen auf eine Wiese gesetzt und schnell festgestellt, dass dieser Kuchen nicht sooo der Jackpot war. Der war unglaublich süß und bestand eigentlich nur aus Schlagsahne und Zuckerguss. Also haben wir dann den Rest wieder weiterverschenkt. An 3 hübsche Männer übrigens, die uns ruhig als Gegenleistung mal auf ein Glas hätten einladen können… :)

Ich habe jetzt für mich das Arbeiten in der Bibliothek entdeckt. In Aix kann ich das nicht ab, weil man da nie ruhe hat, es ist immer zu kalt oder zu warm und die Stühle sind so unglaublich unbequem, dass ich insgesamt doch lieber zu Hause arbeite. Jetzt ist es hier aber genau umgekehrt. Die Bibliothek ist toll und zu Hause habe ich eigentlich keinen Platz zum Arbeiten, weil keinen wirklichen Stuhl am Schreibtisch. Daher hab ich immer auf dem Bett gesessen, was wirklich nicht so super ist. Also geh ich jetzt halt immer an die Uni dazu.

Und dann noch mal ein Wort zu meinem Mitbewohner. Ich seh den ja nur recht selten, aber trotzdem krieg ich ja so einiges mit. Zum Beispiel weiß ich jetzt, dass seine Zimmertür besser zu sein sollte, denn wenn sie auf ist, stinkt es in der ganzen Wohnung. Ich hab z.B. auch noch nie mitbekommen, dass er mal Bettzeug gewaschen hätte. Ich bin jetzt 6 Wochen hier oder so…Also nein, er ist wirklich sehr sehr eklig. Christina war die Woche hier und hat mir bestätigt, dass das nicht meine Pingeligkeit ist, sondern dass einfach so Einiges hier nicht stimmt. Und ich mach mir so langsam auch ein bisschen Sorgen um ihn. Also ich hab das ja von vornherein geahnt, und ich weiß es auch heut noch nicht besser und genauer. Aber ich würde schon sagen, dass er ein Alkoholproblem hat. Also er ist ja nicht andauernd BEtrunken, das merk ich ihm ja sicher auch einfach nicht mehr an. Aber er trinkt wirklich jeden Tag. Und er trinkt eindeutig mehr Bier und Pastis (und Jack Daniels wenn er zu Freunden geht) als Wasser. Es ist einfach so selbstverständlich. Ich weiß nicht, was passieren würde, wenn er keinen Alkohol hätte…Aber was soll ich denn jetzt machen? Also ganz ehrlich. Ich seh ihn immer mal im Vorbeigehen. Heute ist er z.B. aufgestanden um 13h30, als ich gerade wieder gegangen bin. Da kann ich ihm ja schlecht sagen: „Guten Morgen. Na, wie geht’s. Ach, übrigens, du meinst nicht zufällig, dass du Alkoholiker bist? Oh, ich muss dann mal los...“ Verdammt, 7 Semester Psychologie und jetzt komm ich mit dem Alkoholproblem nicht klar. Aber ich meine auch, dass ich es irgendwie ansprechen MUSS, oder?
Vorhin saß er auf dem Balkon – da sitzt er den ganzen Nachmittag und raucht und trinkt – und hat Selbstgespräche geführt und sogar gelacht! Der erzählt sich selbst Witze, das ist doch nicht normal. Und was nun???

Jetzt spielt er grad Mundharmonika. Wie bei vielen Instrumenten macht das aber nur Freude, wenn man es auch kann…Mir macht es grad weniger Freude. Wobei, das kann er besser als singen. Das ist immer voll witzig, wenn er mit Kopfhörern singend durchs Haus spackt und ich mir denke, weiß er, dass ich da bin? Oder wenn er zu seinen Gitarrenkunststücken auch noch singt…Also er nuschelt und lispelt ja schon beim Reden. Aber beim Singen erst noch…Aber jetzt will ich ihm nicht noch die letzte sinnvolle Beschäftigung, die er in seinem Leben noch hat, wegnehmen.

Aber ich verabschiede mich dann mal von euch. Vielleicht melde ich mich Ende der Woche noch mal. Ansonsten dann erst nächste Woche wieder, wenn ich aus Toronto zurück bin.

Eine schöne Woche wünsch ich euch.
Liebe Grüße

Die Franzi

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